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...«das poetischste Thema der Welt» ?

Der Tod einer schönen Frau in Musik, Literatur, Kunst, Religion und Tanz- 1. Interdisziplinäres Symposion der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt 1999

Ute Jung-Kaiser

Dieses Buch ist eine Hommage an all die Frauen, die sterben mußten, damit die Kunst sie verklärt. Es thematisiert den Mythos von Eros und Thanatos, die Nähe der weiblichen Sexualität zu Tod und Geburt, die ästhetische, voyeuristische, psychopathologische Inszenierung des eigenen und fremden Todes als Identitätsspiegelung oder -spaltung, die Verklärung des weiblichen Todes und seine Dämonisierung, den Verlust des schönen Todes und die Krise des Geschlechterverhältnisses, die Tabuisierung und Ritualisierung von Mord oder Selbstmord, die Verstofflichung und Vermarktung des weiblichen Todes in Literatur, Kunst, Musik und Medien.
Ist der Tod einer schönen Frau wirklich das «poetischste Thema der Welt», wie E.A. Poe noch vor 150 Jahren behaupten konnte? Namhafte Referenten und Künstlerinnen reflektieren, verifizieren und aktualisieren diese These in literar-, musik- und kunsthistorischer, kulturanthropologischer, ästhetischer, tiefenpsychologischer, religiöser und feministischer Sicht.
Aus dem Inhalt: Vorwort: «...das poetischste Thema der Welt»? - Eröffnung des Symposions – Marianne Kesting: Königin Imagination. Auferweckung und Tötung der Frau bei Edgar Allan Poe – Dietrich Wiederkehr: Sterbende und tote Liebe bei Gottfried Keller. Lesarten eines Theologen – Lutz Röhrich: Die Tote im Glassarg. Schneewittchen und andere schöne Tote in der Volksliteratur – Werner Aderhold: Der Tod und das Mädchen in Schuberts «Veränderungen» oder: Der Tod als Geliebter – Katja Schneider: Zu Tode getanzt. Zur Präsentation der toten Frau in ausgewählten Balletten des 19. Jahrhunderts – Monica Steegmann: Strawinsky’s Sacre du Printemps als sanktionierte Tötung einer schönen Frau oder: Das Alibi für rituellen Mord – Gert Kaiser: Ist die Frau stärker als der Tod? – Rune Mields: Über den weiblichen Tod. Eine Malerin präsentiert und kommentiert ihre Arbeiten – Antje Tesche-Mentzen: Salomes Vollendung bei Richard Strauss. Eine Bildhauerin präsentiert und kommentiert ihre Skulpturen – Vera Funk: Lili Boulanger - «l’enfant de génie». Zur biographischen Stilisierung einer früh verstorbenen Komponistin – Gudrun Kohn-Waechter: Kein schöner Tod mehr: Die Krise des Geschlechterverhältnisses und der neue Glaube des modernen Menschen in Texten von Arnold Schönberg aus der Zeit des Übergangs zur Zwölftontechnik – Melanie Unseld: «Endgebilde, die nie verklingen» - Undinen- und Melusinen-Motive bei Alexander Zemlinsky und Arnold Schönberg – Doris Hansmann: «...ich fühl es, ich kann nicht länger leben!» Selbstmord, Todessehnsucht und Identität in Charlotte Salomons Leben? oder Theater? – Christoph Daxelmüller: Lady Di’s Tod und Verklärung oder: Das voyeuristische Medienspektakel um eine schöne Prinzessin – Dieter Zeller: Die Braut des Totenherrschers. Der Raub der Persephone in religionswissenschaftlicher Deutung – Ute Jung-Kaiser: Der tötende Blick. Bildnerische und musikalische Interpretationen des Orpheus-Mythos.