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Der grüne Heinrich 1854/55

Gottfried Kellers Romankunst des «Unbekannt-bekannten»

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Daniel Rothenbühler

Der grüne Heinrich von 1854/55 steht immer noch im Schatten seines Pendants von 1879/80. Die vorliegende Untersuchung befragt ihn auf seine eigenen Strukturen und Gehalte hin. Zu diesen gehört z.B. das Eröffnungsbild Zürichs, das eine ganze Reihe von Stadt- und Ortsbildern nach sich zieht. Der Wechsel der Orte und Zeiten schafft eine Vielfalt der Perspektiven ebenso wie der lange Einschub der Jugendgeschichte. Die damit gegebene Mehrschichtigkeit erweitert Keller durch eine Vielzahl von intertextuellen Bezügen. Im Spiel mit der Tradition der Idylle und der Dorfgeschichte, mit Goethe und Schiller, mit Jean Paul und Ludwig Feuerbach thematisiert der Roman zugleich die Chancen und Nöte der Übergangszeit um 1848. Als Zeitroman sieht er sich beiden Zeiten, dem Vor- und dem Nachmärz, verpflichtet und hebt sich gleichzeitig von ihnen ab. Als Mutterroman thematisiert er die tödliche Geschlechterpolarisierung um die Jahrhundertmitte. Beide, der Zeit- wie der Mutterroman, müssen in den Tod des Helden münden. Mit diesem Ende verknüpft Keller wie im ganzen Roman Abrundung und Öffnung miteinander. Der Blick auf die Artistik von Kellers Romanerstling schärft zugleich jenen auf sein Gesamtwerk.
Aus dem Inhalt: Was verraten und verhüllen Titel und Vorwort? – Weshalb ist das Zürichbild konstitutiv für den ganzen Roman? – Heinrichs Jugendgeschichte, sein Scheitern in der Kunst und im Erwerb, seine Rehabilitation beim Grafen - all dies lässt seinen schliesslichen Tod als unvermeidlich erscheinen. Warum? – Mutterroman – Zeitroman.