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Der Dichter als Fragmentist

Geschichte und Geschichten in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften</I>

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Loredana Marini

Ausgangspunkt der Untersuchung ist die kritische Auseinandersetzung mit der gängigen Betrachtung des Formbruchs als eines vom Totalitätsverlust abgeleiteten Phänomens. Dem gegenüber versucht die Autorin, ein Erklärungsmodell auszuarbeiten, das an die Tradition einer anthropologisch fundierten Ästhetik anknüpft, wie sie sich in der aristotelischen Poetik vorgebildet findet. Das Begriffspaar Ganzheit – Fragment wird im Kontext der modernen Problematik der Darstellbarkeit der Handlung reflektiert; von dieser Perspektive aus läßt sich auch die Narrativitätsfrage in Historik und Poetik neu stellen und für deren gegenläufige Entwicklung pro bzw. contra Erzählen eine Deutung versuchen. Im 2. Teil der Arbeit wird nach Gestaltung und Funktion des Fragmentarischen in Musils Roman gefragt. Auch hier ist die Handlungsproblematik in ihrer poetologischen und anthropologischen Dimension der Faden, an dem Geschichte und Geschichten untersucht werden. Dabei zeigt sich, daß die Spannung Integration – Desintegration konstitutiv für den Mann ohne Eigenschaften ist und von Musil gezielt als Strategie eingesetzt wird, um sinnbildenden Strukturen auf die Spur zu kommen.
Aus dem Inhalt: Ganzheit und Fragment im Lichte der aristotelischen Poetik – Musils Geschichtsdenken: Wahrnehmung und Motivation als zentrale Kategorien – Fragmente einer Poetik: Literarische Landschaft und Musils Gegenentwurf – Der Mann ohne Eigenschaften: die Konfiguration der Komplexe Ganzheit – Fragment bei Leona, Bonadea, Moosbrugger und der Parallelaktion.