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Dichterische Politik- Studien zu Rudolf Borchardt

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Kai Kauffmann

Rudolf Borchardt (1877-1945), der bedeutende Lyriker, Essayist und Übersetzer, sah in der Politik das «Centrum meiner Natur». Der Begriff der «dichterischen Politik» erhellt die Eigenart, daß bei ihm die Politik immer auf der dichterischen Imagination beruhte, so wie umgekehrt die Dichtung stets einem politischen Programm folgte. Der Dichter-Politiker, der auf seinen deutschen Konservatismus, Nationalismus und Monarchismus stolz war, blieb durch die Zeiten des Wilhelminismus, der Weimarer Republik und des Dritten Reiches ein ‘outsider’, der sich keiner Ideologie oder Partei anschloß. Er war so konservativ, daß er alles Bestehende umstürzen wollte, so nationalistisch, daß er Deutschland in Europa aufzuheben suchte, und so legitimistisch, daß er im ‘Interregnum’ der Weimarer Republik nicht davor zurückschreckte, die Staufer durch die Welfen und Preußen durch Bayern zu ersetzen.
Aus dem Inhalt: Kai Kauffmann: Vorwort – Wolfgang Schuller: Nation und Nationen bei Rudolf Borchardt – Kai Kauffmann: Rudolf Borchardts Rhetorik der ‘Politischen Geographie’ – Berthold Petzinna: Wilhelminische Intellektuelle. Rudolf Borchardt und die Anliegen des ‘Ring’-Kreises – Richard Herzinger: Kulturautoritarismus. Von Novalis über Borchardt bis Botho Strauß: Zyklische Wiederkehr des deutschen Antimodernismus? – Gregor Streim: Evolution, Kosmogonie und Eschatologie in Rudolf Borchardts ‘Theorie des Konservatismus’, mit besonderer Berücksichtigung von «Der Fürst» – Markus Bernauer: Rudolf Borchardt und Ezra Pound im faschistischen Italien – Ulrich Ott: Die «Jamben» als politische Dichtung – Alexander Kissler: «Alles, was nicht unrein ist, ist Garten». Politische Hygiene, politisierte Liebe und botanische Politik bei Rudolf Borchardt – Franck Hofmann: Literarische Annexion? Borchardts Übersetzung zwischen Politik und Phantasma.