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Diskrete Helden

Strategien der Weltbegegnung in der romanischen Erzählliteratur ab 1980

Klaus Semsch

Zeichnen sich nach der Debatte um Moderne und Postmoderne langsam Züge einer neuen kulturellen Identität ab? Erweisen sich die «Minimalisten» und «Oberflächenspieler» als seriöse Vorreiter veränderter (Über)lebensbedingungen in einer neoliberalen wie globalisierten Welt? Das Buch untersucht diese Fragen aus der Sicht des Philologen und Romanisten. Dabei erstellt es erstmals eine breitere wie kohärente Methodik. Gegenstand ist das Erzählwerk fünf renommierter Autoren, die ihre Lebenswelten ab 1980 neu vermessen: François Bon, Jean Echenoz, Jean-Philippe Toussaint aus Frankreich und Belgien sowie Antonio Tabucchi und Pier Vittorio Tondelli aus Italien. Bei der Analyse werden aktuelle kulturwissenschaftliche Leitbegriffe wie Intertextualität/-medialität, das Hybride, Simulation kritisch hinterfragt und in ein traditionsreiches Wissen von Rhetorik, Ästhetik und Hermeneutik eingelassen. Dabei zeichnet sich eine höchst interessante, literarische Struktur emblematischer Überschreibungen ab, die wir als Binnentext bezeichnen. In Zeiten globaler Transkultur lassen sich im Binnentext neue Möglichkeiten der Weltbegegnung erkennen. Der «diskrete Held» löst den Intellektuellen als Leitfigur der Moderne ab, «gebrochene Identitäten» stellen sich im Wechselspiel von Gedächtnis und Imagination symbolisch neu auf und beginnen zu laufen.