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Ruinen des Selbst

Autobiographisches Schreiben bei Augustinus, Rousseau und Proust

Jochen Fritz

Autobiographien erlauben, Bedeutung in den Wechselfällen des Lebens zu erkennen. In dem Maße, in dem der Konstruktcharakter einer Autobiographie in den Vordergrund tritt, kann sie jedoch nur noch bedingt als Mittel der Selbsterkenntnis dienen. Ein Autor, der durch die Niederschrift seines Lebens dieses verstehen will, wird stets auf den Umstand aufmerksam werden müssen, daß er selbst die Anordnung der Geschehnisse steuert.

Eine Autobiographie zu verfassen gleicht damit eher einem Exerzitium des Selbst als einem freudigen Schöpfen aus der eigenen Erinnerung und dem euphorischen Erkennen des Lebenssinns.

Vor dem Hintergrund der Forschung Michel Foucaults zur Lebenskunst in der Antike unternimmt es die vorliegende Studie, die Autobiographie als eine Selbsttechnik zu deuten, die dazu dient, das Subjekt durch den Vorgang des Schreibens zu formen.