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Musikästhetische Konzepte des italienischen Futurismus

und ihre Rezeption durch Komponisten des 20. Jahrhunderts

Esther Schmitz-Gundlach

Als eine der ersten Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts forderte der italienische Futurismus den Bruch mit allen bisherigen Traditionen, um eine radikal neue Kunst zu ermöglichen. Mit der Ästhetisierung von Maschinen und Geschwindigkeit sowie der Simultaneität von Ereignissen wollte er eine dem modernen Menschen gemäße künstlerische Realität schaffen. Der Aufarbeitung exemplarischer Schriften und Werke futuristischer Musiker und der Untersuchung genauer Einflüsse auf spätere Komponisten widmet sich das Buch. Bekannt sind vor allem Francesco Balilla Pratella (1880-1955) und Luigi Russolo (1885-1947), die sich ab 1910 mit ihren Forderungen nach der Ablösung musikalischer Traditionen an die musikinteressierte Öffentlichkeit wandten.
Weniger bekannt ist, dass um 1920 weitere Musiker in den Umkreis der futuristischen Bewegung traten: Franco Casavola (1891-1955) und Silvio Mix (1900-1927). Die Schriften dieser vier Futuristen zeigen, dass der musikalische Futurismus sich im Lauf der Jahre einem breit gefächerten Panorama musikalischer Themen widmet – dem Musiktheater, neuen Möglichkeiten der klanglichen Erweiterung und der Ablösung der Orchesterinstrumente bis hin zu Jazzelementen und Filmmusik. Es zeigt sich aber auch, dass es bis auf Luigi Russolo mit seinem zukunftsweisenden Konzept der Einführung des Geräuschs in die Musik, das zum Einfluss für Komponisten wie Edgar Varèse, John Cage, Pierre Schaeffer, Pierre Henry und Karlheinz Stockhausen wird, keinem der futuristischen Musiker gelang, auf einer die Grenzen Italiens überschreitenden Ebene langfristig künstlerisch zu agieren.