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Fin de Siècle und Moderne

Erkundungen zur Authentizität von Kunst und Leben in Guido Gozzanos I Colloqui (1911)

Alexandra Hofmeister

In der Regel unterschätzt die Forschung Guido Gozzano: In dem Turiner Lyriker wird gerne ein Epigone der Décadence oder ein unentschiedener Schwellenautor gesehen, der nicht mehr ins Fin de Siècle gehört, aber auch nicht zur Avantgarde der Futuristen zählt. Diese Studie hingegen schreibt Gozzanos bekanntester Gedichtsammlung I Colloqui (1911) eine Modernität zu, die in ihrem Kern poststrukturalistische Fragen aufwirft und der historischen Moderne damit um einiges voraus ist.

Mittels der diskurshistorischen Analyse werden die breit gefächerten Bezüge von Gozzanos Lyrik auf die Kultur der vorletzten Jahrhundertwende aufgedeckt und hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Poetik der Colloqui untersucht. Dabei stellt sich heraus, dass Gozzano auf die entscheidende Frage nach der Authentizität von Kunst und Leben, die im Zentrum seiner Gedichte steht, keine endgültigen Antworten findet. Vielmehr zeichnet sich seine Lyrik durch eine starke Ambivalenz des Lebens und der Kunst aus, wobei beide Kategorien unversöhnt bleiben. Der Autor selbst begegnet diesem Umstand mit einem ironischen Bewusstsein, das sich in der Autoreflexivität seiner Gedichte und in der Struktur der Colloqui als offenes Buch des Lebens widerspiegelt.