Show Less
Restricted access

‘Atomisierung der einstigen Ganzheit’ - Das literarische Frühwerk Hermann Brochs

Neuorientierung des literarischen Denkens im Kontext der modernen Physik und Psychoanalyse

Markus Pissarek

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hermann Brochs Texten gilt selten dem naturwissenschaftlichen Interesse des österreichischen Schriftstellers. Dabei befasst sich sein Frühwerk explizit mit zentralen Themen der Quantentheorie und der Kopenhagener Deutung. Er führt diese innerhalb theoretischer Exkurse und auf ideologischen Ebenen fort. Somit bilden Unbekannte Größe, die Schlafwandler und Die Verzauberung eine explizite Verknüpfung von Figurenpsychologie und durch die Physik erneuerter Erkenntnistheorie. Die Studie zeigt, dass die beiden Diskurse Physik und Psychologie in Bezug auf Brochs Frühwerk nicht isoliert voneinander betrachtet werden können. Besonders der durch das neue physikalische Paradigma revolutionierte Realitätsbegriff sowie die Wahrnehmung und Interpretation von Realität stellen hier den Nexus zwischen physikalischer Theorie und Textpsychologie dar. Dadurch kommt der Literatur nach moderner Physik und Psychoanalyse in der Brochschen Auffassung eine neue Rolle im Diskurssystem zu. Sie reagiert auf erlebte Sinndefizite und Krisenerfahrungen und erfüllt somit weniger eine Popularisierungs- als eine Problemlösungsfunktion.