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Bruno Schulz' Mythopoesie der Geschlechteridentitäten: Der Götzenblick im Gender-Spiegel

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Beata A. Bieniek

Durch die Thematisierung der Erotik und durch das deutlich hervorgehobene Moment des Masochismus steht der polnische Schriftsteller Bruno Schulz (1892-1942) im Kontext der gender-Diskussion. Seine Eros-Diskussion beinhaltet Frauenbilder, geht aber zugleich über sie hinaus und wendet sich der männlichen Sexualität zu. Der männliche Blick ist bei Schulz zentral und die Wahrnehmung des Eros wird in dieser Studie erstmalig als das Leitmotiv des patriarchalischen Kulturzusammenhangs herausgearbeitet. Der pathologische Aspekt des Masochismus wird als kulturgeschichtliche Problematisierung der Identität beider Geschlechter gelesen. Die Eros-Diskussion wird in den mystischen Kontext der Kabbala integriert, wodurch Verbindungen zu den chthonischen Religionen des Altertums rekonstruiert werden. Die Problematik von Geschlechterkonzepten und ihren Körperbildern wird in Text und Bild aufgegriffen. Damit vereinen sich in diesem Werk religiöse Dimensionen mit den Gender Studies und eröffnen somit erstmalig eine Mythopoetik als gender-Diskurs.
I. EINLEITUNG - II. FORSCHUNGSSTAND  Allgemein -  Forschung zur Weiblichkeit im Werk von Bruno Schulz - III. EINORDNUNG VON BRUNO SCHULZ  Historischer und ethnischer Hintergrund: das habsburgische Kronland Königreich Galizien und Lodomerien -  Literarische Einordnung: Schriftsteller der Zwischenkriegszeit 35 IV. FRAUENTYPUS I: DIE KINDFRAU BIANKA Einführung -  Der androgyne Eros und die Urschöpfung -  Księga und Sohar – zwei ‚Bücher des Glanzes’-  Die androgyne Ureinheit: Egga van Haardt oder die weibliche Seite Gottes -  Die zerstörte Ureinheit oder Bianka - V. FRAUENTYPUS II: DER VERFÜHRERISCHE EROS – DIE FEMME FATALE Einführung -  Liliths Herkunft -  Lilith - die archaische Synthese aus der „furchtbaren Mutter“ und der „göttlichen Dirne“ -  Lilith – die „erste Eva“ -  Der Kult am Eros -  Die Fetische des Eros: Magda Wang und Anna Csillag -  Zwei Seiten eines Ganzen: Die lichtvolle Braut Schechina und die dunkle Verführerin Lilith -  Szloma und die Fetische -  Der religiöse Eroskult: Von der Heiligen Jungfrau zur Dirne -  Der zensierte Eros: Lilith als das mythisch Böse -  Die zwei Geschlechter des Bösen: Lilith und Samael -  Die Ambivalenz der Krokodil-Schlange - VI. FRAUENTYPUS III: DIE URFRAU ODER DAS RECHT DES KÖRPERS UND DER MUTTER Einführung -  Die Urfrau oder das Recht des Körpers und der Mutter -  Das Schema der drei Stadien des Matriarchats bei Bachofen -  Das stoffliche Mutterrecht des Körpers und der Erde als menschliches Urprinzips des Daseins -  Das metaphysische Vaterrecht des Geistes und der Sonne als Sieg über der Materie -  Tłuja oder das hetärische Stadium des Mutterrechts -  Tante Agata oder das demetrische Stadium des Mutterrechts - VII. DIE VENUS DER MODERNE – DAS GÖTZENBUCH IM GENDER-SPIEGEL Einführung -  Die Venus der Moderne – ein gender-Blick auf das Götzen- Buch -  Die Prostitution im Dienste der Religion als Dienst an der Göttin Aphrodite -  Das Götzenbuch oder die Dekadenz des aphroditisch-dionysischen Daseins -  Das Märchen von Mann und Frau -  Die seelenlose Undula -  Die keusche Susanna -  Die Infantin Lolita -  Die Folgen des Verfalls: Die emanzipierte Dirne oder die Venus der Moderne -  Die jüdische Dirne als Prototyp der Frau -  Das Götzenbuch oder die zweite Genesis: „Am Anfang war das Bild“ -  Die neue Bibel, ihr Götzenkult am Eros und seine Funktionsweise -  Die Körperbilder der ersten Genesis: der Kopf-Mann und die Körper-Frau -  Die Prozession oder die Unterwerfung des Mannes? -  Die Wiener Moderne: zwischen dem asketisch zwanghaften Gesetzeshüter und dem sinnlichen Luder - VIII. DIE MASOCHISTISCHE KONSTELLATION IM TEXT: DER MANN UND SEINE HENKERIN Einführung -  Der masochistische Pakt zwischen Joseph und Bianka -  Das Spiel mit dem Pakt: Traktat o manekinach/Traktat über die Kleiderpuppen -  Verletzte Männlichkeit oder die Untergrabung der väterlichen Autorität im Masochismus - XIX. GESAMTFAZIT - BIBLIOGRAPHIE - ANHANG BRUNO SCHULZ: „DAS GÖTZENBUCH“, Titelseiten, Umschläge und weitere Graphiken.