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Die Erben des Lazarillo

Identitätsfrage und Schlusslösung im pikarischen Roman

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Regine Rosenthal

Der pikarische Roman spanischen Ursprungs stellt eine defizitäre Welt der Unbeständigkeit dar, in der der Protagonist in seinem anpassungsfreudigen Opportunismus eine innere Entwicklung nicht kennt. Erzähltechnisch spiegelt sich dies in episodenhafter Struktur und einem offenen Romanausgang wider. Für den amerikanischen Pikaro der Moderne dagegen steht eine Suche nach Selbstverwirklichung im Vordergrund, die eine starke Affinität zur Teleologie des Entwicklungs- und des Bildungsromans Goethescher Prägung aufweist. Doch bleibt diese Suche, die im Bildungsroman ihre Erfüllung findet, für den bindungslosen Pikaro ein anzustrebendes Ziel ohne Abrundung in einem geschlossenen Ende. Die amerikanische Pikareske der Postmoderne schliesslich weitet sich im Hinblick auf Romanausgang und Konturenschärfe des Pikaro zu einer Offenheit, die nicht nur das Erstrebenswerte sondern auch die Existenz des Selbst in Frage stellt.
Aus dem Inhalt: Offener und geschlossener Romanausgang - Traditioneller pikarischer Roman - Wandel im 18. Jahrhundert - Entwicklungsroman und humanitätsphilosophischer Bildungsroman - Theorien zu Identität und Rollenspiel - Frage von Identität und Romanausgang in amerikanischen Pikaresken der Moderne und Postmoderne.