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Ersatzbürger und Staatsbildung

Zur Zerstörung des Bürgertums in Brandenburg-Preussen

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Andreas Nachama

Zunächst wird die Politikwissenschaft des 17. Jahrhunderts im Kontext der politischen Realität in den wichtigsten europäischen Ländern skizziert, um dann ein Bild der Verhältnisse in den Territorien Friedrich Wilhelms zu analysieren. Die Regierungszeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm wird dargestellt, um die Funktion der Juden und Hugenotten im Verlauf der wichtigsten Jahre der Staatsbildung zu untersuchen. Durch den Begriff des «Ersatzbürgers» werden Juden und Hugenotten vergleichbar, gleichzeitig wird die ihnen von der Landesherrschaft zugewiesene Funktion erkennbar.
Friedrich Wilhelm verleiht ihnen Privilegien, damit sie in der Wirtschaft (die Hugenotten auch in der Verwaltung) die einheimischen Bürger ersetzen. - Der politische Einfluss der Bürger (und der alten Verwaltungselite) wird so vermindert, die Macht des Landesherren wächst, seine Nachfolger können absolutistisch regieren. Denn Juden und Hugenotten konnten von der Landesherrschaft jederzeit wieder entprivilegiert werden. Aus der neuen Elite erwächst kein mit der Landesherrschaft konkurrierendes politisches Potential. Folge: Fast 200 Jahre wurde in (Brandenburg) Preussen kein Parlament einberufen, weil es keine relevanten Sozialgruppen gab, die Mitsprache bei politischen Entscheidungen forderten.
Aus dem Inhalt: Politikwissenschaftliche Konzepte als Grundlage des politischen Handels im 17. Jahrhundert - Das Beziehungsgeflecht zwischen Landesherren und Landständen - Ständische Kondominat - Patt zwischen Ständen und Herrschaft - Die Stände werden ausgeschaltet.