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Die Entzauberung der Krankheit

Vom Theos zum Anthropos - Über die alteuropäische Genesis moderner Medizin nach der Systemtheorie Niklas Luhmanns

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Bernd Steinebrunner

In der vorliegenden Arbeit wird Webers idealtypische Hypothese von der «Entzauberung der Welt» mit der Systemtheorie Luhmanns angegangen. Die «Entzauberung der Welt» ist eine «Entzauberung der Krankheit», und diese offenbart sich in der Systemtheorie des «doctor subtilis» als Entzauberung des Idealtypus Kontingenz insofern, dass zunehmende funktionale Ausdifferenzierungen gesellschaftlicher Teilsysteme in Alteuropa über Jahrhunderte den Blick auf die in den gesellschaftlichen Subsystemen selbst erzeugten Kontingenzen freigegeben, was die religiösen Universalerklärungsversuche auf noch unerklärbare Restphänomene, wie Sterben und Tod, zurückdrängt. Die «Entzauberung der Krankheit» ist also eingebunden in eine Strukturbewegung von den archaischen, über die hochkulturell stratifizierten bis zu den modernen funktional differenzierten Gesellschaften. Während Fremdreferenz und Sinnzentralität als erlebbare Kontingenz in Abhängigkeit von Gott die Begriffs- und Bedeutungswelt hochkultureller stratifizierter Gesellschaften bestimmen, lenken Selbstreferenz und Autopoiesis den Sinn und seine Kontingenzen in den Funktionskreisen gesellschaftlicher Teilsysteme in der Moderne.
Aus dem Inhalt: U.a. I Methodisches System: A: Ausdifferenzierung von Erkenntnisgewinn - Paradigmawechsel der Theoriekonzeptionen - B: Terminologisches: Luhmanns funktional-strukturelle Systemtheorie - II Historisches System: E: Der Weg vom Supranaturalismus zum Naturalismus - Krankheit in archaischen und stratifizierten Gesellschaften.