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Jesuitische «ars rhetorica» im Zeitalter der Glaubenskämpfe

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Barbara Mahlmann-Bauer

Die lateinische Sprach- und Rhetoriklehre an den jesuitischen Kollegien ist in der Philologie und Pädagogik des Humanismus verwurzelt. Die jesuitischen Philologen nehmen als Pädagogen oder Redner und Dichter am Wettstreit einer konfessionell übergreifenden respublica litteraria um die imitatio der besten römischen Autoren teil. In ihren Lehrbüchern vermitteln sie den Schülern eine kaum durch theologische Bedenken getrübte Bewunderung für die antiken Autoren und eine spielerische Freude an mündlicher und schriftlicher elegantia. Nur begrenzt, etwa in programmatischen Vorreden, propagieren sie ihr Stilideal mit der Notwendigkeit, damit die missionarischen Ziele des Ordens zu befördern.
Die Aufgeschlossenheit jesuitischer Gelehrter gegenüber modischen Stilrichtungen des Ciceronianismus und Manierismus birgt allerdings die Gefahr eines Konflikts mit den traditionellen homiletisch-aszetischen Anforderungen an eine sprachliche und ikonographische simplicitas in sich. Diese Gefahr kündigt sich in der gleichberechtigten Empfehlung des Stils eines Justus Lipsius und Thomas von Kempen an und kulminiert in einer Rhetorik des Verstummens, die allein noch das Prädikat «caelestis» verdiene.