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Geschichten und die Kategorien der Sozialwissenschaft

mit einem Beitrag von Arnold Schwendtke

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Arno Müller

In der gegenwärtigen Psychologie und Soziologie besteht ein wachsendes Interesse an der Alltagserfahrung des Menschen. Theoretische Ansätze und empirische Untersuchungen beschäftigen sich mit der Art und Weise, wie das Individuum sich und seine Umwelt wahrnimmt und interpretiert, und wie es seine Handlungen plant und organisiert. Die Thematisierung der subjektiven Perspektive hat zu heftigen wissenschaftstheoretischen und methodologischen Diskussionen geführt. Das Paradigma der Naturwissenschaft wird dabei vielfach als unangemessen empfunden und eine wissenschaftstheoretische Neuorientierung gefordert. Husserls Phänomenologie mit ihrer Hinwendung zur Subjektivität wird als eine Alternative diskutiert. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer Konzeption, die aus der Kritik an der Phänomenologie hervorgegangen ist und die wichtige Beiträge zur Bewältigung der aktuellen Probleme der Sozialwissenschaften zu leisten verspricht. Wilhelm Schapp, der als erster Doktorand Husserls 1910 in Göttingen promovierte, hat mit seiner Philosophie der Geschichten einen Ansatz vorgelegt, der zwar kaum beachtet wurde, der aber nichtsdestoweniger von erheblicher Aktualität ist. Der Mensch ist in Geschichten verstrickt, komplexe Zusammenhänge des Erlebens, Handelns und Erzählens, in denen alle Gegebenheiten der Erfahrung vorkommen. Jede Reflexion auf die menschliche Subjektivität gelangt schliesslich zu den Geschichten als den letzten unhintergehbaren Phänomenen, in denen subjektive und soziale Faktoren miteinander verwoben sind und die die Grundlage aller Erkenntnis abgeben.