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Glück und Unglück in der österreichischen Literatur und Kunst

Internationales Kolloquium an der Universität des Saarlandes- 3.–5. Dezember 1998

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Pierre Béhar

Die Besitztümer des Hauses Österreich weisen das eigenartige Merkmal auf, daß sie von der riesigen Grenze durchzogen wurden, die ein westliches, vom Glück gewiegtes Europa von einem östlichen, vom Unglück bedrohten Europa trennte. Nach Emil Cioran dehnte sich das Glück bis Wien aus; von Wien an herrschten nur noch Unglück, Blut und Tränen. Glück – und damit dessen Gegenteil – kann aber in einem doppelten Sinne verstanden werden. Auf der persönlichen Ebene lächelt Felicitas den Sterblichen zu, auf politischer Ebene beschert Fortuna ganzen Völkern Sieg und Wohlfahrt. Beide Ebenen stehen aber oft in engem Zusammenhang. Eben darin besteht das Eigenartige, ja vielleicht das Einzigartige an dieser österreichischen Beschäftigung mit dem Glück, nämlich die erstaunliche Fähigkeit, das Glück im Unglück selbst zu finden, dank einer Verwandlung und Verklärung des Unglücks durch dessen Bejahung (eine Haltung, für die die Marschallin am Ende des Rosenkavalier das vollendete Beispiel darstellt). WissenschaftlerInnen aus aller Welt, und nicht zuletzt aus den verschiedenen Teilen der ehemaligen Donaumonarchie, haben sich zusammengefunden, um die verschiedenen Aspekte der Problematik des Glücks und des Unglücks in den Ländern des Donaubeckens zu betrachten. Dabei entsteht ein nach Ländern, Zeiten und Dichterpersönlichkeiten sehr nuanciertes Bild.
Aus dem Inhalt: Pierre Béhar: Vorwort – Jeanne Benay: Privates und kollektives Glück im Wiener Volkstheater: von Schikaneder bis Kaiser – Jean-Marie Winkler: Der resignierte Menschenfeind. Betrachtungen zu Carl Meisels Der Esel des Timon (1820) und Shakespeares The Life of Tymon of Athens (1608) – Eva Reichmann: Vom Schicksal zum Zufall - Der Wandel des Glücksbegriffes im Wiener Vorstadttheater bei Johann Nepomuk Nestroy – László Tarnói: Glück und Unglück in der k.k. Monarchie um 1800 unter dem Aspekt der deutschsprachigen Ungarn – Werner Michler: Das Glück, der Staat und die Tugend. Zur Problematik literarischer Utopie in der Gründerzeit – Anke-Marie Lohmeier: Der Gott in der Giesskanne. Hofmannsthal und die Moderne – Emanuela Veronica Fanelli: «La beauté est une promesse de bonheur» oder von der Art, «in Schönheit glücklich zu sein». Hugo von Hofmannsthals Weg zum Glück – Rosmarie Zeller: Systeme des Glücks und Gleichgewichts oder wie Gott Kakanien den Kredit entzog – Roxanna Nubert: Der moderne österreichische Roman als Spielfeld reiner Möglichkeit - Unter Berücksichtigung von Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften – Bilge Ertugˇrul: Glück und Unglück in den Prosatexten von Ingeborg Bachmann und in den Filmen von Michael Haneke – Konstanze Fliedl: Ohne Lust und Liebe. Zu Texten von Elfriede Jelinek und Marlene Streeruwitz – Daniela Bartens: Vom Glanz des «noch Nicht» zur Ästhetik des «Jetzt». Über den Glücksbegriff im Werk Peter Roseis – Gábor Kerekes: «Das Glück ist in allen und in keinem wie das Unglück.» Glück und Unglück bei Thomas Bernhard – Dirk von Petersdorff: Spassmacher und Ernstmacher.