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Die durchleuchtige Syrerinn Aramena

Nachdruck der Ausgabe Nürnberg, 1669-73

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Anton (Herzog von Braunschweig-Lüneburg) Ulrich

Anton Ulrichs «Aramena» könnte gut als Vorbild des heroisch-höfischen Romans dienen. Trotz seiner labyrinthischen Verwicklungen ist er doch zugänglicher als die «Octavia» vom selben Autor. «Aramena» ver- anschaulicht die Grundzüge dieser Gattung, welche eine wichtige Stufe in der Entwicklung des modernen Romans darstellt. Alle Methoden barocken Schaffens anwendend, führt Anton Ulrich seine Leser durch eine Wirrnis von Personenverwechslungen, abgefangenen Liebesbriefen, transvestitischen Verkleidungen, idyllischen Szenen und Hofintrigen, alles um zu zeigen, dass der scheinbar formlosen Handlung ein göttlicher Plan zugrunde liegt. Dargestellt in dem Rahmen der biblischen Stammväter, lässt der Roman sowohl der Handlung wie auch der Persönlichkeit freien Spielraum, behält jedoch eine durch seine alttestamentarische Vertrautheit erzeugte Wahrscheinlichkeit. Die Könige und Propheten werden zu grossartigen barocken Helden und Schurken mit einem ihren Vorbildern fremden Redeschwulst, der jedoch für ihre Rollen typisch ist. Inmitten dieses Rahmens bietet der Roman eine Schlüsselerzählung, in welcher die grösseren und kleineren Adligen dargestellt und ihre Intrigen und Schwächen gestaltet werden. «Aramena» und «Octavia» wurden als «die Vollendung» des heroisch-höfischen Romans in Deutschland und «die vollkommensten Erzeugnisse der höfischen Barock-Epik» bezeichnet.