Show Less
Restricted access

«Von der Unzerstörbarkeit des Menschen»

Ingeborg Drewitz im literarischen und politischen Umfeld der 50er bis 80er Jahre

Series:

Barbara Becker-Cantarino and Inge Stephan

Das Motto des Bandes ist einer Rezension entnommen, die Ingeborg Drewitz (1923-1986) zu Alexander Solschenizyns Krebsstation (1968) verfaßt hat. Es ist weniger eine trotzige Behauptung denn eine utopische Formel, mit der sie sich zu einem Zeitpunkt Mut zu machen versuchte, als sie nicht nur feststellen mußte, daß die eigenen Kräfte zu schwinden begannen. Auch das literarisch-politische Feld begann sich so zu verändern, daß viele ihrer Positionen von einer jüngeren Generation als überholt beiseite geschoben wurden. Als sie starb, war es bereits still um eine Autorin geworden, die wie kaum eine andere in verschiedenen öffentlichen Funktionen das politisch-kulturelle Leben in West-Berlin und der Bundesrepublik geprägt hatte. Die internationale Tagung, die im November 2003 anläßlich des 80. Geburtstages der Autorin als Kooperationsveranstaltung zwischen der Ohio State University und der Humboldt-Universität in Berlin stattfand, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ingeborg Drewitz mit ihrem literarischen Werk und ihren kulturellen, sozialen und politischen Aktivitäten wieder ins öffentliche Bewußtsein der Gegenwart zurückzuholen. Deren Beiträge sind in diesem Band versammelt.
Aus dem Inhalt: Barbara Becker-Cantarino/Inge Stephan: Vorwort – Barbara Becker-Cantarino: «Welche Leistung, literarisch, menschlich, sozialpolitisch». Zum frauenpolitischen Engagement von Ingeborg Drewitz – Marianne Vogel: «Ein Stück deutsche Geschichte heran- und nachgeholt». Das Engagement von Ingeborg Drewitz für das deutsche Exil der Jahre 1933-1945 – Helmut Peitsch: Ingeborg Drewitz’ Position im PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland – Markus Joch: Das Desaster von Saarbrücken. Ingeborg Drewitz, der VS und die männliche Herrschaft – Gregor Eppinger: Ingeborg Drewitz und die ‘junge Generation’. Zur Gruppe 47 – Dorothea Dornhof: «Ein fremdes ganz vertrautes Land». Ingeborg Drewitz - als Mittlerin zwischen BRD und DDR – Marion Brandt: «So wichtig, diese Nichtgeducktheit». Ingeborg Drewitz’ Beziehungen zu osteuropäischen Intellektuellen am Beispiel Polens – Nicola Kessler: «Engagiert leben». Der Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene – Sabine Boshamer: Die Aktivitäten von Ingeborg Drewitz im Kontext der Gefangenenliteratur – Hans-Gerd Winter: Nach dem Stop des Karussells. Ingeborg Drewitz’ Bild der frühen Nachkriegszeit – Gaby Pailer: Der Holocaust auf der Bühne der 50er Jahre: Ingeborg Drewitz’ frühes Drama «Alle Tore waren bewacht» – Ursula Heukenkamp: Prometheus und die Atombombe. Ein Thema, das Ingeborg Drewitz begleitet hat – Manuela Schulz: «Man redet ja von allem nicht mehr». Unbewältigte Vergangenheit in den Hörspielen von Ingeborg Drewitz – Inge Stephan: «Sapphos Erbe». Ingeborg Drewitz als Rezensentin – Roland Berbig: «mein neues, das Ihre Erfahrungen demonstriert». Ingeborg Drewitz’ Bekenntnis zu Margret Boveri. Mit einer unveröffentlichten Besprechung von Boveris «Die Deutschen und der Status quo» – Renate Bürner-Kotzam: «Mein Fragen ist von Mitleid aufgesogen». Indien im respektlosen Blick des Mitgefühls. Ingeborg Drewitz: «Mein indisches Tagebuch» – Svea Bräunert: «Und ich weiß noch immer nicht, wer ich bin». Weibliche Autorschaft bei Drewitz, Fleißer, Kaschnitz und Bachmann – Monika Shafi: «Montagdienstagmittwochdonnerstagfreitag...». Zur Darstellung des Alltags in Ingeborg Drewitz’ Romanprosa – Gudrun Loster-Schneider: «Du darfst nie wieder so reden!» GeNarrations-Risiken in Ingeborg Drewitz’ Roman «Gestern war heute. Hundert Jahre Gegenwart» (1978) – Helga Kraft: Zwischen Traditionalismus und Fortschritt: Frauengenerationen im Werk Ingeborg Drewitz’ – Maja Razbojnikova-Frateva: «Sehr weiblich», «hysterisch» und «hexenhaft»: Von der Schwierigkeit, eine «Heldin» zu haben. Ingeborg Drewitz’ Bettine-Buch – Neva Šlibar: «Lesend erkannte ich Dich, lernte Dich lieben.» Der biographische Diskurs in Ingeborg Drewitz’ «Bettine von Arnim» – Hannelore Scholz: Gedächtnis Berlin: Anmerkungen zum Verhältnis von Individual- und Zeitgeschichte in Texten von Ingeborg Drewitz – Patricia Ebel: «Ich bin Berlinerin in der vierten Generation». Eine autobiographische Collage – Dörte Richter: Das Ingeborg-Drewitz-Archiv in der Akademie der Künste.