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Musil anders

Neue Erkundungen eines Autors zwischen den Diskursen

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Gunther Martens, Clemens Ruthner and Jaak De Vos

In welchem Sinne bestimmt und bedingt es die Lektüre, wenn man Robert Musil als Philosoph, als Natur- oder Kulturwissenschaftler, vielleicht sogar als Linguist, oder doch vorrangig als Schriftsteller auffasst? Der vorliegende Band setzt es sich zum Ziel, anhand von «anderen» und in ihrer Ausrichtung voneinander abweichenden Lektüren die zahlreichen und höchst unterschiedlichen Methodologien, die sich zurzeit mit Musils Werk beschäftigen (Rhetorik, Narratologie, Ideen- und Geistesgeschichte, Medien- und Kulturwissenschaft, Editionskritik, Philosophie, etc.) miteinander zu konfrontieren. Angesichts der inhärenten Interdisziplinarität und Interdiskursivität des Œuvres kann Musil als exemplarischer Testfall für eine in ihrem Objektbereich und in ihrer (methodologischen) Orientierung einmal mehr verunsicherte Literaturwissenschaft betrachtet werden. Die einzelnen Beiträge zu diesem Band bieten editionsphilologische Überlegungen, Mikroanalysen von Figürlichkeitsformen und Erzählverfahren, Überlegungen zur Rezeption und zur Denkbarkeit von möglichen philosophischen und literarischen Bezügen und können als interdisziplinäre Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Literatur zu anderen Diskursen verstanden werden.
Aus dem Inhalt: Arno Rußegger: «Und was gewöhnlich in der Wirklichkeit geschieht, gehört bestenfalls ins Kino». Theater anders in Robert Musils Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer – Roland Duhamel: Ist Musils Mann ohne Eigenschaften ein Nihilist? – Tim Mehigan: Musil mit Luhmann: Das Problem des Vertrauens in Musils Mann ohne Eigenschaften – Herbert Kraft: Allegorien der Geschichte, Reportagen aus der Gesellschaft. Robert Musils Nachlaß zu Lebzeiten – Annette Daigger: Musils Vortrag in Paris (1935) und seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus – Gesine Lenore Schiewer: Sprache, Wirklichkeit, Bewusstsein. Robert Musils psychologisch-ästhetische Bedeutungstheorie – Christoph Leitgeb: Schwirren statt Schweben: Der ironische Tod österreichischer Fliegen – Walter Fanta: Editorisches, Hermaphroditisches. Wozu den Mann ohne Eigenschaften neu edieren? – Benjamin Biebuyck: «Ein inniges Ineinander von Bildern». Versuch einer Valenzumschreibung von Verbalmetaphorik und indirektem Vergleich im ersten Buch von Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften – Kordula Glander: «Die Straßenwände wanken wie Kulissen». Erzählte Unwirklichkeit in Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften – Gunther Martens: Die Moderne als Straßenbahn: Zum Verhältnis von Stil und Epistemologie in Musils Nachlaß zu Lebzeiten – Alexander Honold: Das andere Land. Über die Multikulturalität Kakaniens – Ursula Reber: Einen Gedanken fassen. Bemerkungen zu ‘Geist und Seele’ mit Hilfe von Musil, unter Zeugenschaft Nietzsches – Wolfgang Müller-Funk: Der Mann ohne Eigenschaften: Erinnerungstextur und Medium kulturwissenschaftlicher Sondierung.