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Beiträge zu einer Galizienliteratur

von Alois Woldan (Autor:in)
Monographie 432 Seiten
Reihe: Wechselwirkungen, Band 16

Zusammenfassung

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Zum deutschsprachigen Galiziendiskurs nach der Wende von 1989/1991
  • Bevormundung oder Selbstunterwerfung? Sprache, Literatur und Religion der galizischen Ruthenen als Ausdruck einer österreichischen Identität?
  • Galizische Topoi als Argumente in der ukrainischen Identitätsdebatte (zwischen Vereinnahmung und Aneignung)
  • Grenzdialoge in den Literaturen Galiziens
  • Mehrsprachigkeit in der Literatur Galiziens
  • Zur Jazyčije-Dichtung der österreichischen Ruthenen
  • Der literarische Mythos von Krakau und Lemberg im zwanzigsten Jahrhundert
  • Der Stadttext von Lemberg/Lwów/L’viv/Leopolis als Beispiel einer regionalen Identität
  • Lemberg als Ort der Erinnerung in der polnischen und ukrainischen Literatur
  • Konkurrierende und konvergierende Narrative zur Geschichte der Stadt Lemberg – Berichte über die Belagerung von 1648
  • Lemberg als Antemurale christianitatis zur Zeit des Ersten Weltkriegs
  • Franz Kratters Briefe im Rahmen der Polemik um die Lemberger Josephinische Universität
  • Begegnung mit dem Fremden – die literarische Integration der Huzulen nach Mitteleuropa
  • Dobosz und Dovbuš – zwei Versionen der Dobosch-Legende bei Stanisław Vincenz und Hnat Chotkevyč
  • Der Huzulen-Text als ein Feld des Übergangs zwischen Sprachen, Gattungen und Epochen
  • Die „Hölle von Boryslav“ – Arbeiterelend in Galizien
  • Jüdische Bilder und Stereotypen in Ivan Frankos „Boryslaver Zyklus“
  • Hermann Blumenthal im Kontext der polnischen und ukrainischen Literatur in Galizien
  • Galizien – ein Raum des Mythos. Zur erzählenden Prosa von Andrzej Stojowski
  • Der Chronotopos des Weges – Chłopiec na kucu [Der Junge auf dem Pony]
  • Chronotopos der Rückkehr – die Erzählungen Podróż do Nieczajny [Reise nach Nieczajna] und Anteusz [Antäus]
  • Chronotopos der Idylle: die Romandilogie Romans Polski [Polnische Romanze] und Kareta [Die Kutsche]
  • Vom Erinnerungsmonolog zum Erinnerungsort – zu Andrzej Kuśniewiczs Mieszaniny obyczajowe
  • Regionale Identität am Beispiel von Andrzej Stasiuk und Jurij Andruchovyč
  • Jerzy Harasymowicz – ein Dichter des Heiligen und der Beskiden
  • Jerzy Harasymowicz im ukrainischen Kontext – Bohdan Ihor Antonyč und Ihor Kalynec’
  • Zur Dichtung von und über Lemken
  • Abschied von Österreich – zur Lyrik der Westukraine im Ersten Weltkrieg
  • Verzeichnis der Erstveröffentlichungen

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Zum deutschsprachigen Galiziendiskurs nach der Wende von 1989/1991

Die germanistische und polonistische Literaturwissenschaft und auch die Komparatistik hat Galizien als gemeinsame Literaturlandschaft1 schon in den 1970er Jahren entdeckt und in einer Reihe von einschlägigen Konferenzen behandelt.2 Dazu kam eine kleine Zahl von wichtigen literaturwissenschaftlichen Monographien, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass Galizien überhaupt in das Bewusstsein einer breiteren, nicht nur historisch interessierten Öffentlichkeit gelangte.3 Der Kontext der damals geführten Mitteleuropa-Diskussion scheint dafür nicht unwesentlich zu sein. Mit der politischen Wende von 1989 kam diese Diskussion zum Verstummen, nicht aber die Rückbesinnung auf Galizien, die in der deutschsprachigen Publizistik eigentlich erst nach dieser Wende einsetzt. Nach der Blüte der polnischen Galizienliteratur in den Jahren 1960–1980 – die Kritik sprach von einer „literarischen Karriere Galiziens“4 – hat sich die deutschsprachige Belletristik und Publizistik im wesentlichen erst in den 1990er Jahren dem Thema Galizien zugewandt, parallel übrigens zur jungen westukrainischen Literatur, um eine neue Spielart der Rekonstruktion der galizischen Vergangenheit zu unternehmen, was auch zur Herausbildung eines spezifischen Genres zwischen Publizistik und Belletristik, zwischen Sachbuch, Erlebnisbericht und bewusster Fiktion führte. Diese neue Gattung lässt sich nicht nur in einzelnen ← 11 | 12 → Buchpublikationen, sondern in einer ganzen Reihe von Feuilletons führender deutscher, Schweizer und österreichischer Wochenzeitungen verfolgen. Das erlaubt es auch von einem Diskurs zu sprechen, von einem bestimmten Modell des Argumentierens und Fabulierens, von einem Ensemble narrativer Strategien und rhetorischer Verfahren, die auch einer bestimmten Erwartung auf Seiten des Lesers entsprechen.

Ein erstes markantes Beispiel für diesen Diskurs ist heute dreißig Jahre alt – Martin Pollacks Buch Nach Galizien. Von Chassiden, Huzulen, Polen und Ruthenen. Eine imaginäre Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina stammt aus dem Jahr 1984, es wurde aber 2001 unter einem leicht veränderten Titel (Galizien. Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina) neu aufgelegt und sei deshalb in unserem Zusammenhang auch besprochen. Pollacks Buch ist von seiner Gattung her eine Reisebeschreibung und steht damit in einer langen Reihe von Itinerarien, die gerade in Bezug auf die Galizienberichterstattung häufig anzutreffen sind: man denke an Sebastian Fabian Klonowic’ Roxolania vom Ende des 16. Jahrhunderts, an Balthasar Hacquets Neueste physikalisch-politische Reisen durch die Dacischen und Sarmatischen oder nördlichen Karpathen, die ziemlich genau zweihundert Jahre später (1790–1794) entstanden sind, an Joseph Rohrers Bemerkungen auf einer Reise von der Türkischen Gränze über die Bukowina durch Ost- und Westgalizien, Schlesien und Mähren nach Wien (1804) und Samuel Bredetzkys Reisebemerkungen über Ungarn und Galizien (1809) vom Beginn des 19. Jahrhunderts, an Joseph Roths Reise durch Galizien (1924) und Alfred Döblins Reise in Polen (1926) u.a.m.

Neu bei Pollacks Galizienreise ist zunächst die Konzentration auf ein einziges Verkehrsmittel, die Bahn: der Erzähler kommt nur dorthin, wohin die entsprechenden k.u.k. Bahnlinien, allen voran die Karl-Ludwigs-Nordbahn und alle von ihr abzweigenden bzw. an sie anschließenden Linien führen. Das Konzept dieses Reiseberichts wird dem Leser von Anfang an klar – die einzelnen größeren und kleineren Stationen an diesen Eisenbahnrouten werden illustriert, primär durch den Kommentar des Erzählers, dann durch literarische Zitate, die mit diesen Orten verbunden sind, schließlich aber auch durch Fotos aus der Zeit vor und um 1900. Wichtiger noch als diese spezifische Aneignung des Konzepts der Reise ist ein anderes – Pollacks Galizienreise ist eine Reise in die Vergangenheit, ist primär eine Reise in der Zeit und nicht eine im Raum. Hatten die erwähnten Galizienreisenden des 18., 19. und 20. Jahrhunderts eine damals weit entfernte, abgelegene und exotische Gegend besucht, um diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu beschreiben und mit der eigenen Heimat zu eben dieser Zeit zu vergleichen, so ist Pollacks Erzähler überhaupt nur an der Vergangenheit dieser Gebiete interessiert und rekonstruiert eine Situation gut hundert Jahre vor seiner Zeit. Er ← 12 | 13 → hat auch aufgrund einer solchen rein diachronen Ausrichtung seiner Reise diese de facto nicht unternommen, sein Bericht ist im Unterschied zu allen anderen eine literarische Fiktion, wie schon im Untertitel angedeutet wird – es handelt sich um eine „imaginäre Reise“ durch eine „verschwundene Welt“. Damit fällt auch der Vergleich zwischen dem Ist-Zustand und dem, was einmal war, der für die Galizien-Texte der 1990er Jahre wesentlich ist, weg. Alle anderen Vertreter des deutschsprachigen Galiziendiskurses verbinden in ihren Berichten die Reise im Raum mit der in der Zeit, um das zeitlich entfernte, schon vor Beginn der faktischen Reise rekonstruierte Bild von damals mit der räumlich entfernten Situation von heute zu vergleichen. Gerade dieser Vergleich ist für manchen Galizien-Reisenden von heute der eigentliche Beweggrund, der ihn diese Fahrt auch unternehmen lässt.

Pollacks Beschreibung beschränkt sich – so wie die meisten der schon erwähnten und noch zu erwähnenden Galizienreisen – auf Ostgalizien, das aufgrund seiner multiethnischen Zusammensetzung von besonderem Interesse ist. Sie setzt also erst in Przemyśl ein, um dann über Drohobyč nach Stryj zu führen, von dort aber, die Hauptroute nach Lemberg verlassend, nach Süden abzuzweigen, über Stanislau und Żabie bis nach Kolomea zu kommen. In Kolomea geht es auf der Hauptstrecke weiter nach Süden bis nach Czernowitz, von dort über Zaleszczyki in den galizischen Norden bis nach Brody und über diesen Umweg und quasi schon auf dem Rückweg erst nach Lemberg, in die Hauptstadt.

Diese galizischen (und Bukowinaer) Städte und Orte rekonstruiert der Verfasser wesentlich mit Hilfe von literarischen Quellen, Berichten von Autoren, die aus diesen Orten stammen oder diese beschrieben haben und vom Erzähler direkt in den Text aufgenommen werden. Damit ist ein stark intertextueller Charakter der neuen deutschsprachigen Galizienliteratur gegeben, der sie von den Berichten früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte unterscheidet und eine neue Gattung oder zumindest Untergattung des Itinerariums konstituiert. Die Funktion dieser Intertexte kann dabei verschieden sein; Pollacks Reise durch ein verschwundenes Land könnte man auch als eine Führung durch eine, oder drei Literaturen lesen, die dem Durchschnittsleser nur wenig bekannt sind, obwohl viele ihrer Vertreter in den letzten zwei Jahrzehnten eine neue Karriere gemacht haben. Dabei zeigt sich auch die philologische, vor allem polonistische Kompetenz des Autors, der manche seiner Gewährsleute erst übersetzen musste, um sie seinem Leser nahe zu bringen. Pollack ist um eine Ausgewogenheit der Quellen, was deren sprachlich-ethnische Zugehörigkeit betrifft, bemüht: deutschsprachige Zitate repräsentieren vor allem die jüdische Gruppe, polnische stammen sowohl von polnischen wie auch von jüdischen Autoren, einige wenige, die in Übersetzungen aus dem Ukrainischen vorlagen, stehen für den ruthenischen ← 13 | 14 → bzw. ukrainischen Bevölkerungsanteil. Die Fülle der erwähnten Autoren ist beeindruckend, die Basis für eine künftige Anthologie – die Pollack zusammen mit Karl Markus Gauss auch zusammengestellt hat5 – ist in dieser Reisebeschreibung schon vorgegeben.

Es steht außer Zweifel, dass Pollack eine Vorliebe für bestimmte Autoren, bestimmte Gruppen von Autoren, aber auch bestimmte Themen hat. Karl Emil Franzos ist Pollacks „erster Führer“6, nicht zuletzt deshalb, weil Franzos bereits 1875 den Großteil jener Strecke beschrieben und kommentiert hatte7, die Pollack 1984 rekonstruiert. Deutschsprachige Autoren jüdischer Herkunft machen den Großteil von Pollacks Gewährsleuten aus – neben so prominenten wie Joseph Roth und Manès Sperber finden sich weniger bekannte wie Saul Raphael Landau, Natan Samuely, Alfred Margul-Sperber, Alexander Granach, Helene Deutsch u.a.m. Ähnlich finden sich unter den polnischen Autoren neben „prominenten“ Galiziern wie Bruno Schulz und Józef Wittlin auch weniger bekannte wie Józef Rogosz und Artur Gruszecki – als Augenzeugen der Galizischen Hölle8 bei den Erdölquellen von Borysław; auch aus Stanisław Vincenz’ erst in den 1980er Jahren in Polen erschienener Tetralogie Na wysokiej połoninie [Auf der hohen Bergweide] hat Pollack einige wenige Stellen übersetzt, um seinen Leser mit den Huzulen bekannt zu machen, die zwar abseits der Bahnlinie in den Waldkarpaten leben, dafür aber als ukrainische Minderheit auch ein Bindeglied zur ukrainischen Literatur darstellen – prompt taucht in diesem Zusammenhang Hnat Chotkevyč auf, dessen bekanntester Roman Räubersommer etwas von dem Wenigen war, das damals in deutscher Übersetzung vorlag.9 Von den Ruthenen darf natürlich Ivan Franko nicht fehlen – er ist in seinen deutsch verfassten Texten ja leicht zugänglich; demgegenüber ist Pollack zu den deutschen Texten von Jurij ← 14 | 15 → Fed’kovyč und Ol’ha Kobyljans’ka, die bestens nach Czernowitz gepasst hätten, nicht vorgedrungen. Sein Galizien ist von der Auswahl der literarischen Belege ein wesentlich jüdisch-polnisches, die Ruthenen als die größte Gruppe in der Bevölkerung bleiben bei der literarischen Rekonstruktion unterrepräsentiert.

Diese Vorliebe für eine der ethnischen Gruppen in Galizien ist im nächsten Itinerarium, der Reise nach Galizien. Grenzlandschaften des alten Europa von Verena Dohrn (1991, 1993, 1997)10 extrem ausgeprägt, so dass ihre Reise primär zu einer anhand der Encyklopedia Judaica unternommenen Spurensuche wird. Die Funktion der Intertexte und im Zusammenhang damit auch die Absicht der Verfasserin scheint im Vergleich zu Pollacks Buch eine andere: nicht die Rekonstruktion einer „verschwundenen Welt“ in Form der literarischen Anthologie, sondern die Dokumentation dieser Welt anhand verlässlicher literarischer und historischer Quellen, die auf den Vergleich mit dem Ist-Zustand von heute hinausläuft. So hat Dohrn diese Reise auch tatsächlich unternommen, nach der Wende von 1989, aber noch vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, „[…] um das Gepäck von Angelesenem und am Schreibtisch gefassten Vorurteilen im Gespräch zu erproben, an lebendigen Eindrücken zu messen und Lesarten miteinander zu vergleichen“11. Die Reise wird mit dem Auto unternommen, was bisweilen auch zu kleinen Anekdoten am Rand führt – etwa von der improvisierten Reparatur eines Kupplungsseiles irgendwo in der Westukraine12; der Vergleich mit Anekdoten früherer Galizienreisender drängt sich auf – etwa jene mit dem Kalbsschnitzel, welches, mit Nägeln und Haaren gefüllt, Karl Emil Franzos im Bahnhofsrestaurant zu Przemyśl vorgesetzt bekam (in Przemyśl angekommen, zitiert die Verfasserin auch prompt diese Anekdote)13.

Die faktisch unternommene Reise bedingt einen weiteren Umstand des literarischen Genres: die Funktion des Cicerone, des Führers. Immer wieder trifft die Reisende auf mehr oder weniger kompetente Ortsansässige, die ihr den Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Vertreter der älteren Generation erweisen sich diesbezüglich tauglicher als die der jüngeren: ein Herr Jerzy Polański in Zamość (fälschlich „Jerży Polanski“ geschrieben)14 und der jüdische Schriftsteller Alexander Lisen im noch sowjetischen Lwow15 führen auf die ersehnten jüdischen ← 15 | 16 → Spuren, während ein noch so hilfsbereiter junger Herr Janusz in Przemyśl16 hier nicht weiter helfen kann, ja auch die Namen der gesuchten Personen zum ersten Mal hört. Der lebende Führer in Ergänzung, manchmal auch im Gegensatz zum gedruckten Führer aus dem 19. Jahrhundert, aber auch zum in der Regel nicht zufriedenstellenden Stadtplan der Gegenwart, wird zu einem wichtigen Bestandteil der publizistischen Galizienliteratur der letzten Jahre.

Dohrns Reiseroute geht weiter als die Pollacks über Galizien hinaus, um nach Zamość, Przemyśl, Lwiw und Brody auch (ehemals jüdische) Städte in Wolhynien und Podolien (Schitomir/Žytomyr, Berditschew/Berdyčiv, Medschibosch/Medžiboš) und natürlich das unvermeidliche Czernowitz in der Bukowina einzubeziehen, sie verläuft also großteils in der noch sowjetischen Ukraine. Vielleicht ist von daher das Interesse an russischen Spuren in diesen „Grenzlandschaften“ zu erklären, die die Verfasserin immer wieder ins Zentrum des Sowjetimperiums führen. In Zamość war Jakob Eichenbaum ansässig, der Großvater des berühmten „Formalisten“ Boris Ėjchenbaum, nach Brody kam während des Polnisch-Sowjetischen Kriegs mit Budennyjs Reiterarmee auch Isaak Babel’ aus Berditschew schließlich stammt Vasilij Grossman, dessen Bücher in der Phase der Glasnost’ auch in Moskau für viel Aufmerksamkeit sorgten. Zudem scheint die Verfasserin des Russischen mächtig zu sein, nicht aber des Polnischen oder des Ukrainischen, was zu manchen bedauerlichen und nicht nur orthographischen Irrtümern führt (die Verwechslung der in beiden Sprachen gleichen Buchstaben für g und h wie auch i und y: russ. „Galana-Straße“ statt ukr. „Halan-Straße“17, russ. „Danilo Galizki“18 statt ukr. „Danylo Halyc’kyj“ und dgl. mehr).

Auch Dohrn stützt sich wesentlich auf literarische Gewährsleute (sie verzichtet auch nicht auf Bildillustrationen, in der Mitte des Bandes findet sich eine Sequenz eigener Fotos aus den besuchten Städten), unter denen erwartungsgemäß die Verweise auf Autoren jüdischer Abstammung dominieren: die Brüder Israel Joshua und Isaac Bashevis Singer, Karl Emil Franzos, aber auch Leopold von Sacher-Masoch, von dem allerdings nur die jüdischen Sujets eingeblendet werden, Joseph Roth und Martin Buber, Manès Sperber und Josif Burg u.a.m. Mit Josif Burg ist bereits ein jiddisch-sprachiger Autor genannt, er bleibt erwartungsgemäß nicht allein. Demgegenüber fehlen die polnisch-sprachigen (-schreibenden) jüdischen Autoren zur Gänze – dabei wären sowohl Józef Wittlin wie auch ← 16 | 17 → Julian Stryjkowski, von Bruno Schulz gar nicht zu reden, auch in deutscher Übersetzung zugänglich gewesen. Die polnische literarische Komponente in Dohrns Galizien ist mit einigen wenigen Strophen von Zbigniew Herbert19 und einer kurzen Paraphrase nach Stanisław Lems Wysoki zamek [Hohes Schloss]20 eher dürftig belegt, selbst die ukrainische kommt mit dem „echten Galizianer“ Franko, dem politischen Emigranten Kocjubyns’kyj und dem überhaupt nichts mit Galizien gemeinsam habenden Ševčenko – das 1991 noch in Planung befindliche Ševčenko-Denkmal in Lwiw gibt Anlass für ein längeres Zitat aus dessen Poem Der Traum21 – noch besser weg.

Eine Quelle aber, die sich quasi leitmotivisch durch den ganzen Reisebericht zieht, verdient besondere Erwähnung – die mit Jawen Mezula betitelte Schilderung des polnisch-kosakischen Kriegs und der Leiden der Juden in Polen während der Jahre 1648–165322 des Krakauer Rabbis Nathan Neta, ursprünglich 1653 in Venedig zum ersten Mal auf Hebräisch veröffentlicht, seit 1863 auch in deutscher Übersetzung zugänglich. Das Morden an der jüdischen Bevölkerung in den Städten der Rzecz Pospolita, die von den Truppen Bohdan Chmel’nyc’kyjs während des berühmten Aufstands von 1648 belagert oder eingenommen werden, wird für die Autorin zum traurigen Vorspiel für etwas, das fast 300 Jahre später passierte – die systematische Vernichtung der Juden durch die Nazis. Diese nicht unbedenkliche Analogie zwischen den Kosaken und der SS bleibt allerdings – nach Meinung der Verfasserin – den Juden vorbehalten: „Nur ein Jude, ein Pole darf wie Isaac Bashevis Singer in dem Roman Jakob der Knecht es wagen, den Feldzug der Kosaken gegen die Polen und Juden mit den beispiellos mörderischen Strategien der Nationalsozialisten zu vergleichen“23. Es ist beachtlich, dass die Verfasserin auf diese wenig bekannte Quelle gestoßen ist, es hätte aber auch Sinn gemacht, sie im Hinblick auf die dritte der in diesen Konflikt hineingezogenen ethnischen Gruppe zu lesen, die Polen, die – laut Nathan Neta – nur dann den Truppen Chmel’nyc’kyjs erfolgreich Widerstand leisten konnten, wenn sie sich mit den Juden verbündeten und diese nicht – wie von den Kosaken gefordert – auslieferten. Dieser Tenor findet sich auch in polnischen Quellen aus jener Zeit, etwa den lateinischen ← 17 | 18 → historiographischen Schriften von Józef Bartłomiej Zimorowic, dem damaligen Bürgermeister von Lemberg24.

Mangelnde Quellenkritik wird dort ersichtlich, wo Verena Dohrn nach der erwähnten deutschen Übersetzung von Nathan Netas Bericht von den Kosaken immer als von den „Griechisch-Katholischen“ spricht25 und dabei einen Fehler der Übersetzung wiederholt: die Kosaken waren als erbitterte Gegner der Union immer orthodox und nie griechisch-katholisch (die russische Übersetzung aus dem Jahr 188326 hat diesen Fehler nicht, abgesehen davon, dass der Terminus „griechisch-katholisch“ erst aus der österreichischen Zeit Galiziens, also nach 1772 stammt). Die Konzentration auf jüdisches Schicksal und die vorwiegende Kompetenz der Verfasserin im Bereich des Russischen scheint auch für gravierendere Irrtümer verantwortlich: mit den „Orlanda“ – gemeint sind die „Orlęta“ – werden laut Verfasserin jene „Jungen Adler“ bezeichnet, die in der Zeit des Polnisch-Sowjetischen Kriegs gefallen sind27 – hier geht es jedoch um die Kämpfe um Lemberg zwei Jahre zuvor; ähnliche Missverständnisse liegen in der Kontamination polnischer Aufstände vor: „1830/31, 1846, 1848, 1861 erhoben sich polnische Freiheitskämpfer, durch die Aufständischen von Wien ermutigt, gegen die Habsburger Macht“28 – selbst bei Marie von Ebner-Eschenbach und bei dem von der Verfasserin zitierten Leopold von Sacher-Masoch hätte man anderes über die „polnische Revolution“ von 1846 lesen können, und auf die Aufstände von 1830/31 und 1863 im russischen Teilungsgebiet trifft der zitierte Satz in gar keiner Weise zu. Ein Satz wie „Die griechisch-katholische Kirche, an ihrer Spitze der Metropolit Andrej Schepitski (sic!), zeigte sich in der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten besonders engagiert […]“29 stellt eine besonders bedauerliche Entgleisung dar: Es scheint symptomatisch, dass mit der Unfähigkeit zur korrekten Wiedergabe des Namens – „Scheptycky“ bzw. Šeptyc’kyj“ – auch eine grobe Simplifizierung der Tatsachen Hand in Hand geht, die zur gewaltsamen Wiedereingliederung der griechisch-katholischen ← 18 | 19 → Kirche in die Orthodoxie geführt haben. Deutlich wird diese Schwäche auch von einem anderen Galizienreisenden aus der Schweiz gesehen, der meint, dass Dohrn „in bezug auf die Griechisch-Katholischen blind den kommunistischen Vorurteilen folgt“30. Dagegen mutet eine wenn auch nur grammatikalische Geschlechtsumwandlung der ukrainischen Autorin Ol’ha Kobyljans’ka nur mehr heiter an: „Heute thront Olga Kobyljanski (sic!), die ukrainische Schriftstellerin aus Czernowitz, die auch deutsch und polnisch geschrieben haben soll, auf dem Piedestal vor dem Theaterportal“31.

Auch der Titel von Rüdiger Wischenbarts Beitrag Jüdische Ruinen, ukrainische Aufbrüche aus dem Sammelband Karpaten. Die dunkle Seite Europas weist auf eine ähnliche Art der Wahrnehmung hin wie bei Dohrn. Bei einer Reise, die der Verfasser durch Lemberg und Czernowitz macht, erweist sich das alte, verlorene Galizien als ein wesentlich jüdisches, das neu entdeckte als ein ukrainisches. Für die anderen kulturellen Schichten, die gerade in den erwähnten Städten überdeutlich vertreten sind, hat der Autor offenbar kein Interesse, weil er nur das wahrnimmt, was er aus der eigenen Vorbeschäftigung kennt. So kommt es immer wieder zu der typischen Konstellation zwischen dem Reisenden und dem örtlichen Führer, wie etwa dem Ukrainer Ihor: „[…] der Fremde, der da mit alten Photos angereist kam, und der einheimisch Nachgeborene, der in den ihm innig vertrauten Orten eine neue, weit zurückreichende, unbekannte und ihn gehörig verunsichernde Region zu entdecken bekam“32. Auch Wischenbarts Essay zielt wesentlich auf den Vergleich von einst und jetzt; literarische Quellen spielen bei der Rekonstruktion der Vergangenheit nur eine untergeordnete Rolle, so wie auch die literarischen Ambitionen des Autors gering sind.

Ganz anders ist dagegen die Galizien-Reise eines Schweizer Autors aus dem Jahr zuvor ausgefallen, Kaspar Schnetzlers Meine galizische Sehnsucht. Geschichte einer Reise, die viel weniger auf den Vergleich dessen, was einmal war, mit dem, was nun ist, abzielt, sondern eine sehr subjektive Erschließung der Vergangenheit in der Gegenwart darstellt. So spiegelt Schnetzlers Bericht auch nicht eine konsequent und nach Plan verfolgte Reiseroute wider, sondern reiht Eindrücke aneinander, die der Erzähler in diversen galizischen Städten – dazu ← 19 | 20 → gehört offenbar auch Czernowitz, wo die ersten Kapitel angesiedelt sind – gemacht hat. Immer wieder geht Schnetzler dabei auf Distanz zur Galizien-Mode journalistischer Kollegen, wie etwa seine Einschätzung von Czernowitzer Gewährsleuten zeigt:

Rose Rapaport war die Vorzeige-Czernowitzerin, sie wurde als guter Tip in der westlichen Journaille gehandelt. Zeitzeugin. Sie hatte das richtige Alter, war Jüdin, nicht gläubig wie die meisten, aber ,kulturell‘, wie sie sagte – sprach deutsch mit österreichischem Akzent. Telegen insofern alles.33

Schnetzler liebt unerwartete Wendungen und dramatische Effekte – der belletristische Charakter seiner häufig zu kleinen, eigenständigen Erzählungen ausgeweiteten Sequenzen ist nicht zu übersehen. Als Beispiel sei jene Episode im Hotel „George“ in Lwiw (zur Zeit der Reise noch „Intourist“ in Lwow) angeführt, in der der Erzähler das Emigranten-Ehepaar Popjuk aus Australien kennenlernt, was zunächst durchaus typisch und üblich anmutet. Als sich aber herausstellt, dass Herr Popjuk vor Jahrzehnten mit der alten Zimmerfrau Petruschka verlobt war, diese aber nach der deutschen Besetzung der Westukraine gegen eine deutschstämmige Galizierin eingetauscht hat, und diese heutige Mrs. Popjuk im Hotelzimmer des „George“ gerade zu der Zeit stirbt, als die beiden alten Verlobten einander wiedererkannt haben34, wird klar, wie sehr die Fiktion des Autors hier übliche Genreszenen überlagert und umgeformt hat. Geschichten dieser Art sind aber für den Autor durchaus „galizisch“ und zumindest ebenso wichtig wie authentische Berichte.

Garant für diese Art der galizischen Tradition ist Joseph Roth, den Schnetzler nicht primär zitiert, sondern dem er begegnet – im Bahnhofsrestaurant von Lwow, wo Roth an einem Tisch sitzt und seinen Journalistenkollegen aus späteren Jahrzehnten hinbeordert35; prompt entsteht aus dieser Begegnung eine neue Geschichte über einen anderen Gast im Restaurant, eine Geschichte in der Geschichte, vom fingierten Roth seinem Gesprächspartner aus einer viel späteren Zeit in den Mund gelegt. Die Verwischung des referentiellen Bezugs scheint typisch für ein Galizien, in dem Imagination, Rekonstruktion und aktuelle Erfahrungen nebeneinander stehen und ineinander übergehen. Besonders typisch für diese Art von „Galizienreise“ ist das mit „Gericht“ betitelte letzte Kapitel des Buchs, in dem der Erzähler im Himmel über Galizien auf Leopold ← 20 | 21 → von Sacher-Masoch, Karl Emil Franzos und einmal mehr auf Joseph Roth trifft, wo er aber auch in der polnischen Abteilung Bruno Schulz und Stefan Wittlin (bedauerlich die Verwechslung des Vornamens – gemeint ist zweifellos Józef Wittlin!)36 sieht, die ins Gespräch mit Franz Kafka und Heinrich Böll verwickelt sind. Eine Ähnlichkeit, was die Aufhebung der Schranken zwischen Leben und Tod, zwischen Menschen aus den verschiedensten Zeiten und von den verschiedensten Orten betrifft, hat diese Szene mit der Schlussszene aus Józef Wittlins Mój Lwów [Mein Lemberg]37, der Beschreibung des berühmten Lemberger Corso, die Schnetzler noch nicht kennen konnte, da sie zu dem Zeitpunkt, da sein Buch entstand, noch nicht in deutscher Übersetzung vorlag.

Mehr denn in anderen Reiseberichten werden in Schnetzlers Darstellung die subjektiven Gründe für diese Reise genannt – es ist eine Sehnsucht, wie schon im Titel angesprochen, der der Erzähler nachgeht, und die eher zufällig ins zeitlich-räumliche galizische Kontinuum von 1772 bis in die jüngste Gegenwart fällt. So kann der Erzähler auch in rein zufälligen Erscheinungen, wie etwa einem sechsjährigen Jungen, dem er in Brody begegnet, eine Erklärung für diese Sehnsucht finden:

In Brody, da ungefähr, wo sich meine bis zu diesem Samstagnachmittag unerklärliche Ostsehnsucht ins Grenzenlose aufzulösen pflegte, war ich mir in meiner eigenen kleinen unversehrten Vergangenheit begegnet, nach der ich mich mein Leben lang sehnte.38

Neben der Reise in Raum und Zeit stellt diese Variante der Galizienreise auch eine Reise in das eigene Innere dar und lässt sich unter diesem Gesichtspunkt wohl mit galizischen Texten von Bruno Schulz und Andrzej Kuśniewicz vergleichen, in denen die Rückkehr in die galizische Kindheit zugleich Anfang und Ende einer literarischen Entwicklung von Protagonisten bedeutet, ohne dass diese Reise auch wirklich unternommen werden muss.

Von der eigenen zur fremden, aber ähnlichen Vergangenheit führt auch die Galizienreise von Roswitha Schieb, die sie in ihrem Buch Reise nach Schlesien und Galizien. Eine Archäologie des Gefühls39 beschreibt. Neu und spezifisch ist der Zugang zu und die Route nach Galizien, die die Erzählerin, Tochter vertriebener Deutscher aus Schlesien, einschlägt. Die aus dem Ruhrgebiet stammende Autorin ← 21 | 22 → entdeckt zunächst Ober- und Niederschlesien, die Heimat ihrer Eltern, um festzustellen, dass es dort Menschen gibt, die ebenso vertrieben wurden – aus den polnischen Ostgebieten, die nach 1945 nicht mehr in Polen lagen, vor allem aber aus Lwów bzw. Lemberg. Und sie führt lange Gespräche mit deren Kindern, die in derselben Situation sind wie die Erzählerin selbst: Sie sind höchst interessiert an dem Ort, wo die eigenen Eltern geboren und aufgewachsen sind, auch wenn man bis vor kurzem nur mit großen Schwierigkeiten dorthin gelangen konnte. Die Reise an den Ort der elterlichen Kindheit wird von daher quasi zu einem Muss, sie ist mehr denn in den bislang erwähnten Berichten eine Reise im Raum, die einen fremden Ort erkunden und aneignen will, der zeitlich nicht sehr weit zurückliegt – noch findet die Erzählerin in Schlesien Bekannte von Vater und Mutter, noch bleibt die historische Distanz innerhalb einer Generation.

So ist Schieb auch stärker als die erwähnten Reiseberichte an der Gegenwart jener Regionen interessiert, die sie für sich entdeckt; das historische Schlesien und das historische Galizien treten gegenüber der aktuellen Situation im polnischen Schlesien und in der Westukraine zurück, die sowohl in eigenen Eindrücken als auch in zahllosen Gesprächen mit Menschen von dort wahrgenommen wird. Dementsprechend haben auch literarische Quellen, die von Pollack und Dohrn extensiv zitiert werden, für Schiebs Bericht viel weniger Bedeutung und ist dessen intertextuelle Komponente deutlich schwächer ausgeprägt. Weil Schieb aus Schlesien nach Lemberg kommt, ist sie vorwiegend am polnischen Lwów, der Stadt der Eltern ihrer Altersgenossen, interessiert und kennt auch die polnische Komponente in dessen „Stadttext“ besser als andere (Jan Parandowskis Niebo w płomieniach [Himmel in Flammen], Józef Wittlins Mój Lwów [Mein Lemberg], Adam Zagajewskis Dwa miasta [Zwei Städte]). Dennoch ist ihr wichtigster Informant zum heutigen Lwiw ein junger ukrainischer Autor, Jurij Andruchovyč, der mehr als Gesprächspartner und Cicerone durch das künstlerische Leben der Westukraine einschließlich des „Stanislauer Phänomens“ als über seine Texte präsent ist40. Der Vergleich mit der Vergangenheit, bei dem die Gegenwart zwangsläufig schlechter abschneiden müsste, ist in dieser Darstellung so gut wie gar nicht vorhanden.

In den Jahren um 2000 ist auch in führenden deutschen, Schweizer und österreichischen Zeitungen eine ganze Reihe von Berichten über die unterschiedlichsten Gebiete des ehemaligen Ostgaliziens und der Bukowina erschienen, die man von ihrer Gattung her durchaus als „Reisebilder“ oder „Culturbilder“ ansprechen und damit als Fortführung eines Genres ansehen könnte, das Karl ← 22 | 23 → Emil Franzos vor mehr als hundert Jahren begründet und Joseph Roth vor gut neunzig Jahren weitergeführt hat, nur mit dem Unterschied, dass die Reise an einen immer noch entlegenen und zum Teil exotischen Ort auch zu einer Reise in eine ebenso entlegene Zeit wird. Das zeigt etwa der Titel eines Artikels von Mathias Messmer in der Neuen Zürcher Zeitung: Die Gegenwart der Vergangenheit. Auf jüdischen Spuren in der ehemaligen Hauptstadt Galiziens41, der mit Hilfe literarischer Zitate von Józef Wittlin und Alfred Döblin (dazu kommen Angaben aus dem Baedeker von 1898) die Vergangenheit kurz anreißt, bevor er eine Gegenwart skizziert, die zutiefst von der Zeitgeschichte – den Verbrechen der Nazis, des NKWD, aber auch einem immer noch präsenten ukrainischen Nationalismus – geprägt ist. Wieder ist es ein Führer, der 80jährige Vorsitzende des jüdischen Kulturzentrums, der den Autor zu den verborgenen Gedenkstätten bringt und ihn über das Leben der jetzigen jüdischen Gemeinde informiert, bevor dieser sein Flugzeug besteigt und abreist, nicht ohne am Flughafen vier orthodoxe Juden wahrzunehmen, die offenbar eben aus Übersee eingetroffen sind.

Ein gutes halbes Jahr später veröffentlicht Michael Martens in der FAZ in der Rubrik „Reiseblatt“ folgendes Feuilleton: Aus einer Stadt mit vielen Vergangenheiten. Besuch in Lemberg, der heimlichen Metropole der Ukraine42. Auf eine kurze Beschreibung der Architekturdenkmäler folgt ein längeres Interview mit dem für deren Erhaltung zuständigen Beamten der Stadtverwaltung, auf einen kurzen Abriss der Stadtgeschichte eine lange Schilderung des Besuchs beim jüdischen Schriftsteller Alexander Lisen, die die Hälfte des ganzen Berichts einnimmt. Die im Untertitel angesprochenen „vielen Vergangenheiten“ werden de facto mehr oder weniger auf eine verengt, und daran ändert auch die Erwähnung des Mickiewicz-Denkmals, das „alle politischen Machtwechsel überstanden hat“, nichts. Fast ganz auf die Vergangenheit verzichtet demgegenüber ein Lemberg-Feuilleton von Markus Reiter in der FAZ, Lenin bekommt einen Dichterkopf. Stadt im Dämmerlicht: Lemberg hat noch einen weiten Weg nach Europa43. Der Autor will dem neuen, ukrainischen Lwiw über dessen junge Künstlerszene näherkommen, und hat mit Volodymyr Kaufman auch einen der wichtigsten und besten Lemberger Künstler gefunden, dessen Installationen er eifrig beschreibt. Die ← 23 | 24 → Übersetzerin Chrystyna Nazarkevyč und ihr Mann, der Lyriker Nazar Hončar, sind kompetente Informanten zur jungen westukrainischen Literatur, deren wichtigste Vertreter allerdings nicht genannt werden. Gegenüber der im Titel angesprochenen Mutation von Lenin- zu Ševčenko-Statuen „hat sich das Standbild des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz gehalten – Reminiszenz an die polnische Vergangenheit der Stadt“, die zumindest in diesem Halbsatz angesprochen ist. Neben Lemberg sind es Brody, Sambir, Drohobyč und vor allem Czernowitz, wohin die Reisen der Zeit, der FAZ und anderer deutschsprachiger Blätter führen. Die Berichte über Brody von Johann Georg Reissmüller44 in der FAZ und vom bereits erwähnten Michael Martens in Die Zeit ähneln einander sehr – sie vergleichen die Stadt, die Joseph Roth beschrieben hat, mit dem Wenigen, was heute noch davon übrig ist, um in der Abgelegenheit und Perspektivelosigkeit dieser Kleinstadt eine gewisse Kontinuität zwischen damals und heute festzustellen. Am Beispiel von Brody zeigt sich noch etwas – je weniger spektakulär das beschriebene Objekt ist, desto mehr bietet sich für den Verfasser des Reisebilds neuen Typs die Gelegenheit zur Genreszene, zum literarischen Stilleben. Wäre nicht Joseph Roth und seine Beschreibung seiner Geburtsstadt an der österreichisch-russischen Grenze, so hätte sich Brody nie auf die Seiten der großen deutschen Tageszeitungen – für Vorläufer von ihnen schrieb Joseph Roth – verirrt. Dazu kommt die Grenzstadt aus dem Radetzkymarsch, aus dem Falschen Gewicht und anderen Erzählungen, was zur Folge hat, dass einer der Journalisten nach dem Schloss von Trottas Freund, dem Grafen Chojnicki, sucht und es im Barockschloss Pidhircy (poln. Podhorce) lokalisiert45, das nachweislich den Koniecpolskis, Sobieskis und Rzewuskis gehörte, nie aber einem Chojnicki.

Ähnlich ist auch Drohobyč nur in die FAZ geraten, weil Henryk Grynbergs Buch Drohobycz, Drohobycz in der deutschen Übersetzung von Martin Pollack dort besprochen wurde46; weil in Grynbergs Buch jener Landau eine Rolle spielt, der Bruno Schulz protegierte, weil Schulz schließlich der Zeichenlehrer von Grynberg war, so wird auch er herangezogen, um ein anderes Drohobyč zu rekonstruieren (bevor noch die Entführung seiner Fresken für neues Aufsehen gesorgt hatte). Wenn der Verfasser dieser Kritik an Grynbergs Buch, Eberhard Rathgeb, aber im Hinblick auf den Holocaust eine „strikte Trennung zwischen ← 24 | 25 → Literatur und Dokumentation“ einfordert, rührt er damit an eine zentrale Frage der Poetik der besprochenen Galizienberichte, die gerade von der Nichtgetrenntheit des Dokumentarischen und der Fiktion, die dieses ergänzt und veranschaulicht, leben. Die geforderte Trennung würde die ganze Gattung einschließlich ihrer feuilletonistischen Variante zunichte machen, ganz abgesehen von der methodologischen Frage, wie weit denn die ,reinen Fakten‘ als solche überhaupt greifbar sind.

Als Ziel der Reise in die Vergangenheit verfügt Czernowitz über die wohl größte Attraktivität – es taucht mit bestimmter Regelmäßigkeit im Reise-Teil großer deutscher Zeitungen auf; die diachrone Reise in die Vergangenheit behauptet sich gut neben den synchronen Reisen in immer entlegenere und exotischere Winkel der Welt unserer Gegenwart. Schon 1991 bringt Die Zeit unter dem Titel Ferner Glanz in Czernowitz einen Reisebericht von Johannes Groschupf47, der mit den gattungsüblichen Reiseabenteuern des Berichterstatters in der postsowjetischen Eisenbahn von Lwiw nach Černivci beginnt, um sich über Zitate von Paul Celan und Rose Ausländer zu jener Stadt vorzutasten, von der kaum mehr etwas übrig ist, sowohl was den „Glanz der habsburgischen Stadt“, als auch was das jüdische Leben von einst betrifft. Andere Akzente setzt Ulrike Meyer-Timpe48 in ihrem Bericht Nur die Alten bleiben. Auf den Spuren jüdischen Lebens in der heute ukrainischen Stadt Czernowitz in derselben Zeitung einige Jahre später, der sich wesentlich auf einen der letzten Überlebenden des österreichischen Czernowitz, den später auch durch einen Film bekannt gewordenen Mathias Zwilling, stützt. Ausführliche Hinweise auf die architektonische Konstante im Unterschied zu den politischen Veränderungen im Leben dieser Stadt im 20. Jahrhundert prägen diesen Reisebericht ebenso wie die Mischung aus historischen Fakten und eigenen Erlebnissen, die gattungsimmanent scheint. „Nach Czernowitz treibt es nur Lyriktouristen“ – so beginnt ein Bericht von Markus Reiter49 im „Reiseblatt“ der FAZ (Reiter lässt sich vom ortsansässigen Germanisten Petro Rychlo die bescheidenen räumlichen Spuren einer ganzen Plejade von deutschsprachigen jüdischen Dichtern zeigen – etwa die Geburtshäuser ← 25 | 26 → von Paul Celan und Rose Ausländer um dann bei einem „Letzten Mohikaner“, dem jiddischen Dichter Josif Burg, zu landen, der laut Verfasser einen Schlüssel bekommen hat, „[…] mit dem er irgendwann das Kapitel jüdischer Literatur in Czernowitz für immer schließen wird. Dann bleiben den Lyriktouristen nur noch die Gedichtbände und die bröckelnden Fassaden.“

Mit dem „Lyriktouristen“ ist ein neues Subjekt der Galizienreise gefunden, das die synchrone Reise im Raum immer mit deren diachroner Komponente motivieren wird, weil es ja nicht auf die Idee käme, zu fragen, ob es nicht auch heute in Černivci ein beachtliches literarisches Leben gibt – auch darüber könnte der erwähnte Petro Rychlo kompetent Auskunft geben.

Wie sieht es mit der literarischen Rekonstruktion von Westgalizien aus? Gibt es auch hier „Lyrik-“ oder zumindest „Literaturtouristen“? Ein einziger Autor hat dafür gesorgt, dass Journalisten nun auch in einen entlegenen Winkel Westgaliziens, ein Dorf in den Beskiden, pilgern, nicht um eine verschwundene Vergangenheit, sondern eine spezifische Gegenwart zu beschreiben – Andrzej Stasiuk. Zumindest seit dem Polen-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse ist „der Shootingstar der polnischen Literatur“, wie Marta Kijowska50 ihn nennt, dafür verantwortlich, dass „deutsche Feuilletonisten mit Begeisterung in die Beskiden pilgern“, um dort zum einen galizische Gegenwart, zum anderen aber – man würde es nicht für möglich halten – Heideggersche Seinsnähe zu erleben. Genau das ist der Tenor, den der Rezensent der FAZ (der sich hinter der Abkürzung APL verbirgt) schon anlässlich der erwähnten Buchmesse aus Stasiuks Die Welt hinter Dukla herausliest. „Auch in den Karpaten führen, als gingen die Philosophen Husserl und Heidegger spazieren, Feldwege in die Poesie“51. Vor Ort ist der Autor Stasiuk selbst jener Cicerone, der den angereisten deutschen Korrespondenten nicht ohne Ironie zu den Resten jenes „Scheißhauses“ (sic!) führt, wo ihm eine Erleuchtung zuteil geworden ist. Dieser Erleuchtung bedarf es zweifellos, um so wie Stephan Wackwitz52 in derselben Zeitung zwei Jahre später in dieser „Realität niedersten Ranges“ ein „heideggerhaft unbestimmtes und unabsehbares Sinn- und Bedeutungsversprechen“ zu orten. Oder etwas weniger hochtrabend: „Dieses Galizien [aus Stasiuks Galizischen Geschichten – A. W.] darf vom Westen nicht erfasst werden. Der große Glanz von innen, den ← 26 | 27 → diese Armut ausstrahlt, darf im Licht der Modernisierung nicht vergehen“53. Klingt da nicht eine Umwertung von „Golicja i Głodomeria“54, der „Nędza Galicyjska“55 an, wie sie bislang in den literarischen (Ost-)Galizienreisen nicht unternommen wurde?

Ihr Gutes hat die Stasiuk-Manie sicher auch – sie rückt eine geographische Region und europäische Provinz in den Mittelpunkt, die, was ihre Geographie betrifft, grenzüberschreitend ist, und, was ihre Geschichte betrifft, eine noch nicht entdeckte Tiefendimension hat – beide hängen eng zusammen. Zumindest zweimal haben sich prominente Historiker in der FAZ der letzten Jahre zu den „Ruthenen“ geäußert, zu jener ethnischen Gruppe, die sich im Unterschied zur Identität der Begriffe ,Ruthene‘ und ,Ukrainer‘ im alten Galizien heute nicht als Ukrainer verstehen. 1991 führte der bekannte britische Historiker Timothy Garton Ash im Spital von Užhorod ein Interview mit dem Pharmakologen Iwan Turjanitsa, seines Zeichens zugleich Premierminister einer „Subkarpatischen Rus“, die sich ethnisch mit den Ruthenen, Russinen oder Rusnijaken in der Slowakei, Ungarn, Rumänien, aber auch den polnischen Lemken aufs engste verbunden fühlt. Verständigungssprache bei diesem Interview, das in deutscher Übersetzung 1999 in der FAZ erschien56, war übrigens ein Gemisch aus Polnisch und Slowakisch, das Ukrainische wurde als quasi nicht neutrales Medium abgelehnt. Zwei Jahre später schreibt der stellvertretende Leiter des GWZO [Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas] in Leipzig, Stefan Troebst57, einmal mehr in der FAZ über Russinen, Lemken, Huzulen und andere, die sich alle zusammen als eine eigene Ethnie verstehen, die auf fünf Nationalstaaten verstreut ist, in der „Euroregion Karpaten“ aber eine minimale territorial-organisatorische äußere Einheit gefunden hat. Es könnte gut sein, dass auch die Publizistik dieses Thema aufgreifen und in der Geschichte und Gegenwart der Ruthenen/Russinen eine neue Variante des Galizien-Diskurses entdecken wird. ← 27 | 28 →

Noch einmal zurück zur literarischen, typisch galizischen Grenzüberschreitung, die von Stasiuks kleinem, privaten Vaterland in den westlichen Beskiden ostwärts führt. Im Jahr 2000 erschien in polnischer Sprache ein kleiner Band Moja Europa. Dwa eseje o Europie zwanej środkową [Mein Europa. Zwei Essays über das sogenannte Mitteleuropa]58, bestehend aus je einem Beitrag von Andrzej Stasiuk und Jurij Andruchovyč, in denen europäische Identität regional verortet wird, in den Beskiden einerseits und in Ivano-Frankivsk bzw. Stanislau andererseits; das Augenmerk des Lesers wird dabei von den Zentren Europas auf dessen geographische Mitte irgendwo in den östlichen Karpaten gelenkt. Die „Mitteleuropa“-Diskussion der 1970er und 1980er Jahre erfährt von daher eine Neuauflage, bei Stasiuk bewusst ahistorisch, bei Andruchovyč aber unter Rückgriff auf das ebenso gemeinsame wie verbindende galizische Erbe. Zieht man zu diesem gemeinsamen Buch zweier führender Repräsentanten der zeitgenössischen polnischen und ukrainischen Literatur noch die in polnischer Übersetzung erschienenen Essays von Andruchovyč aus den mittleren und späten 1990er Jahren hinzu59, so wird eines ganz klar: das alte Galizien, ergänzt um die Epochen der Zwischenkriegs- und der Sowjetzeit, wird zur räumlich-zeitlichen Basis einer ebenso übernationalen wie zugleich regionalen Identität; die künstlerischen Techniken der Postmoderne bieten sich als Schreibstrategien zur Bewältigung der posttotalitären Situation geradezu an. Und es wird vielleicht nicht mehr lange dauern, bis auch diese neue Variante des literarischen Galizien-Diskurses von der deutschen Publizistik aufgegriffen werden wird.

1 So der Titel eines Sammelbandes, der die Beiträge eines Galizien-Symposiums in Innsbruck aus dem Jahre 1986 enthält – Fridrun Rinner, Klaus Zerinschek (Hrsg.), Galizien als gemeinsame Literaturlandschaft, Innsbruck 1988.

2 Neben dem schon erwähnten Innsbrucker Symposium sei hier vor allem auf die Konferenz in Poznań, „Galicja jako literacka ojczyzna“ von 1984, auf den „Galicia Congress“ in Brüssel 1991 sowie auf die Konferenz in Rzeszów „Galicja i jej dziedzictwo“ von 1992 verwiesen. Die Beiträge dieser Tagungen sind publiziert in: Stefan H. Kaszyński, (Hrsg.), Galizien – eine literarische Heimat, Poznań 1987; Slavia Gandensia 19 (1992) und 20 (1993); unter dem Übertitel Galicja i jej dziedzictwo sind von 1994 bis heute mehr als 20 Bände erschienen.

3 Hier sind vor allem die Arbeiten von Maria Kłańska (Problemfeld Galizien. Zur Thematisierung eines nationalen und politisch-sozialen Phänomens in deutschsprachiger Prosa zwischen 1846 und 1914, Kraków 1985 und Daleko od Wiednia. Galicja w oczach pisarzy niemieckojęzycznych 1772–1918, Kraków 1992) sowie die Monographie von Ewa Wiegandt, Austria felix czyli o micie Galicji w polskiej prozie współczesnej, Poznań 1988 zu nennen.

4 Włodzimierz Pażniewski, „Literacka kariera Galicji“, Polityka, 11.02.1978.

5 Karl-Markus Gauss, Martin Pollack, Galizien. Das reiche Land der armen Leute. Literarische Wanderungen durch Galizien, Wien 1992.

6 Martin Pollack, Nach Galizien. Von Chassiden, Huzulen, Polen und Ruthenen. Eine imaginäre Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina, Wien 1984, S. 12.

7 Franzos reiste 1875 zu den Eröffnungsfeierlichkeiten der Universität Czernowitz per Bahn von Wien nach Czernowitz und beschrieb diese Reise in seinem Text Von Wien nach Czernowitz, in: Karl Emil Franzos, Aus Halb-Asien: Land und Leute des östlichen Europas, Bd. 2, Berlin 1901.

8 So die Übersetzung des Romans von Józef Rogosz, W piekle galicyjskim, Brody 1896, auf den Pollack auch eingeht.

9 Hnat Chotkewytsch, Räubersommer, Aus dem Ukrainischen von Anna-Halja Horbasch, Göttingen 1968. Die erste Fassung des im Ukrainischen mit Kaminna duša betitelten Romans erschien 1911.

10 Verena Dohrn, Reise nach Galizien. Grenzlandschaften des alten Europa, Frankfurt am Main, 1991, 1993, 1997.

11 Vgl. Dohrn 1991, S. 9.

12 Vgl. Dohrn 1991, S. 158 f.

13 Vgl. Dohrn 1991, S. 34.

14 Vgl. Dohrn 1991, S. 21.

15 Vgl. Dohrn 1991, S. 88 f.

16 Vgl. Dohrn 1991, S. 39 f.

Details

Seiten
432
ISBN (PDF)
9783653050134
ISBN (ePUB)
9783653975086
ISBN (MOBI)
9783653975079
ISBN (Hardcover)
9783631658246
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (März)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 432 S.

Biographische Angaben

Alois Woldan (Autor:in)

Alois Woldan studierte Theologie, Slawistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Innsbruck. Nach Tätigkeiten als Lektor an den Universitäten Moskau und Wrocław (Polen) und einer Assistentenstelle am Institut für Slawistik der Universität Salzburg hatte er an der Universität Passau eine Professur für Ost-Mitteleuropa-Studien inne. Momentan ist er als Professor für Slawische Literaturen an der Universität Wien beschäftigt.

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Titel: Beiträge zu einer Galizienliteratur