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Sozialismen und Gegenwart – eine ideengeschichtliche Studie

„Candide, stehst Du vor den Trümmern der besten aller Welten?“

by Ulrich Knappe (Author)
©2026 Monographs 290 Pages

Summary

Vor unser aller Augen stürzt der Kapitalismus in eine systemische Krise. Wer bringt sie mit gescheiterten, vereitelten, transformierten oder bestehenden Sozialismen in Verbindung? Der Gedanke erscheint fernliegend, da der Diskurs über konkrete Sozialismusformen im politischen und wissenschaftlichen Raum nahezu verstummt ist. Dieses Buch möchte diese Leerstelle füllen.
Im Mittelpunkt steht nicht die theoretische Frage, was Sozialismus angesichts historischer Brüche sein könnte, sondern die Analyse realgeschichtlicher Sozialismen. Aus deren Entwicklung ergeben sich neue und teils unerwartete gesellschaftstheoretische Perspektiven.
Zentral ist dabei die kritische Rückbindung an Marx – nicht als klassische Rezeption, sondern als methodischer Bezugspunkt für die Analyse dessen, was aus seinem Denken geworden ist. Schuldzuweisungen oder normative Bewertungen werden bewusst vermieden.
Die Studie lädt dazu ein, Sozialismen als bedeutenden Teil gegenwärtiger Transformationsprozesse neu zu denken.

Table Of Contents

  • Abdeckung
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Danksagung
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Einleitung
  • Die gegenwärtige Problemstellung
  • Vorbemerkungen
  • Kapitel 1 Der sowjetische Sozialismus
  • 1. Marxsche Prämissen
  • 2. Das vorrevolutionäre Russland
  • 3. Die russische Dorfgemeinde – eine Kontroverse zwischen Marx und Lenin
  • 4. Ursprünge für das Entstehen einer Staatsbürokratie in Russland und die Überleitung zur Sowjetbürokratie
  • 5. Das Schicksal der russischen Dorfgemeinde in der Sowjetunion
  • 6. Gesellschaftstheoretische Deutungen
  • 7. Zusammenfassung
  • Kapitel 2 Der „amerikanischeSozialismus“
  • 1. Die Vereinigten Staaten von Amerika
  • 2. Der Weg in die Weltwirtschaftskrise
  • 3. Der New Deal als „amerikanischer Sozialismus“
  • 4. Politische Reaktionen auf den „amerikanischen Sozialismus“
  • 6. Der Neoliberalismus als Antwort auf den „amerikanischen Sozialismus“
  • 7. Zusammenfassung
  • Kapitel 3 Der Reformkommunismus
  • 1. Opposition in der Sowjetunion
  • 2. Opposition nach Stalins Tod
  • 3. Zusammenfassung
  • Kapitel 4 Der erste Kalte Krieg – Ein Systemfrieden zwischen Sozialismus und Kapitalismus
  • 1. Westlicher Antikommunismus und östlicher Antiamerikanismus als Transmissionsriemen im ersten Kalten Krieg
  • 2. Von der Konfrontation im ersten Kalten Krieg zur Entspannung
  • 3. Zusammenfassung
  • Kapitel 5 Die Auswirkungen der großen Transformation des sowjetischen Sozialismus
  • 1. Die erste Säule – die reale gesellschaftliche Transformation Osteuropas
  • 2. Die zweite Säule – die geistige Transformation
  • 3. Die dritte Säule –die Verwirrung der Sozialdemokratie
  • 4. Zusammenfassung
  • Kapitel 6 Der deutsche Sozialismus
  • 1. Sowjetischer und deutscher Sozialismus in Gemeinsamkeit und Unterschied
  • 2. Die Transformation des deutschen Sozialismus
  • 3. Zusammenfassung
  • Kapitel 7 Der chinesische Sozialismus
  • 1. Die frühe Weltmacht
  • 2. Die Demütigung
  • 3. Der Aufstieg der chinesischen Kommunisten zur nationalen Führungskraft
  • 4. Wie Phönix aus der Asche – der erneute Aufstieg Chinas zur Weltmacht
  • 5. Zusammenfassung
  • Kapitel 8 Schlussbemerkungen
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang
  • 1. Die Entwicklung der Rüstungsausgaben der USA 1941–2024 in Milliarden Dollar
  • 2. Hannah Arendt Synopse
  • 3. Glossar (russisch)
  • 4. Glossar (chinesisch)/Pinyin
  • 5. Zeittafeln
  • Register

Vorwort

Ein gutes Buch ist wie eine Reise – nicht durch die Touristenhotspots oder die Geheimtipps unserer Gegenwart, aber doch durch Räume und Zeit und ihre jeweiligen Umstände.

Anstatt der Erinnerungen an wunderschöne Landschaften, architektonische Meisterwerke oder die Freunde, die mit einem unterwegs waren oder die man kennenlernen durfte, sammelt man Vorstellungen, Bilder und Ideen. Fast all diese Dinge arbeiten nach und manche führen zu kleinen Veränderungen in einem selbst, manche zu großen Bewegungen.

Viele von uns wählen den Pauschalurlaub an der Ostsee oder in Griechenland, manche fahren Ski oder Tauchen hinab in die Meere und manche besteigen lieber einen Gipfel. Ich selbst bin ein Freund der Bildungsreise – zumindest was die Bücher betrifft.

So erfreue ich mich an ausfallenden Weltuntergängen,1 mache Picknick auf der Autobahn,2 verstecke mich vor dem Überwachungskapitalismus3 um dem Kapitalismus des 21. Jahrhunderts umso genauer auf die Finger zu schauen,4 und um echte Freiheit für möglichst viele genießen zu können5 und dem Nexus unserer Zeit zu widerstehen.6 Dank einer emotionalen Antifragilität7, dem Wunsch, nicht immer ein Egoist8 zu sein und sich auch daraus ableitender Resonanzerlebnisse9 habe ich die Zuversicht behalten10 und glaube, dass wir es auch anders können.11

Ein solches Anders hat uns Ulrich Georg Knappe mit seinem neuen Buch vorgelegt. Kein Monument für Schönheit, kein Lösungsversprechen, sondern schlicht ein Rundgang durch zahlreiche Ruinen der Vergangenheit. Wie so oft erscheinen uns die Überreste auf den ersten Blick aus der Zeit gefallen und vor allem kaputt. Aber bei genauerer Betrachtung sehen wir plötzlich Fortschrittlichkeit, die wir vergessen hatten. Da gab es mit Schwerkraft betriebene Wasserleitungen im alten Rom, Handelsmärkte ohne Kapitalismus bei den Persern, Foren für den gesellschaftlichen Diskurs in Griechenland, Straßen für Menschen in England und Frankreich.

Zu den verlorengegangenen Ideen gehört auch der Sozialismus. Schnell wird er mit Planwirtschaft gleichgesetzt, dem Stalinismus oder der ehemaligen DDR zugeordnet oder im allgemeinen Sprachgebrauch manchmal mit dem meines Erachtens unerreichbaren Kommunismus verwechselt. Jeder dieser Gedankengänge diskreditiert das Konzept wahlweise als menschenverachtend, geschichtlich gescheitert oder utopisch verklärt. Keiner dieser Aspekte erfasst die Pluralität der Idee, keiner wird ihrer Möglichkeiten gerecht. Vielmehr könnte man meinen, das ganze Konzept wird vorsätzlich herabgewürdigt, um es konkurrierenden politischen Systemen – allen Voran dem ungebremsten Kapitalismus – leichter zu machen.

Wer nun aber gemeinsam mit Ulrich Georg Knappe durch die verlassenen Mauern und Fundamente streift, dabei die verbliebenen Balken und Dächer begutachtet und sich vor allem die Stätten insgesamt anschaut, der wird feststellen, dass es ihn nicht gibt, den einen Sozialismus. Allein die Grundannahme, dass man Sozialismus mit den historisch gescheiterten Versuchen hinreichend beschreiben könne, war und ist ein offensichtlicher Fehlglaube. Zu unterschiedlich waren die bisherigen Versuche in ihrer historischen Einbettung, in ihrer Ausprägung und in ihren Folgen. Gerade dort, wo der Sozialismus nur Götze für Machtpolitik oder Kostüm für Totalitarismus war, darf man seine Ziele nicht mit den geschichtlichen Niederlagen gleichsetzen. Und umgekehrt war er vor allem dort erfolgreich, wo er nicht so genannt worden ist.

Die Reise durch das vorliegende Buch führt uns also nicht zum heiligen Land des religiösen Sozialismus, sondern ist eine Weltreise durch ganz unterschiedliche Landschaften, mal von Elend gezeichnet, mal blühend, mal nebelverhangen. Und jedes Mal blickt man auf einen anderen Teil oder eine andere Zeit der uns bekannten Sozialismen. Wir können in dem, was wir gemeinsam erlesen Höhen und Tiefen sowie Chancen und Gefahren identifizieren. Wir können ebenso Bilder von Zielen und funktionierenden Gegebenheiten mitnehmen sowie uns Erinnerung daran schaffen, was wir bisher vielleicht übersehen haben oder was hätte sein können.

Und genau darin sehe ich den Nutzen und den Sinn dieser hiesigen Fahrt durch hunderte von Seiten. All die Entdeckungen schenken uns neue Impulse und zeigen uns Handlungsoptionen zum schlichten Ertragen des Hier-und-Jetzt bzw. der vermeintlichen Zukunft, die uns von Populisten aller Farben als alternativlos präsentiert werden. Wann – wenn nicht jetzt – ist der richtige Zeitpunkt sich auf den Weg zu machen und möglichst viele Anregungen mitzubringen?

Nachdem ich die letzten Zeilen von Sozialismen und Gegenwart gelesen hatte, sehe ich im Kapitalismus noch immer meine Heimat und möchte in keinen der bisherigen Sozialismen auswandern. Aber so, wie ich aus Neuseeland meine damalig innere Ruhe mit nach Deutschland bringen wollte, möchte ich mir von dieser Reise den Gedanken mitnehmen, dass es in all den Sozialismen zahlreiche Ansätze, Gedanken und Ideen gab, die eine bessere Gesellschaft für einen großen Teil der Menschheit ermöglichen könnten. Nichts an einer auf Ermöglichung gerichteten Freiheit oder einer relativen Gleichheit verlangt von uns, sich gegeneinander ausspielen zu lassen, andere Menschen zu hassen, Angst vor Ihnen zu haben, Kriege zu führen oder uns einer Autokratie zu unterwerfen, nichts daran verlangt von uns, auf alles zu verzichten und allen eigenen Bedürfnissen abzuschwören. Vielmehr würde es unser Zuhause schöner machen, wenn es uns gelänge, in allem vor allem die guten Dinge zu entdecken und diese seiner Familie, seinen Freunden, seinen Nachbarn und all den anderen Menschen als Geschenk mitzubringen. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass es mir diesmal besser glücken wird, mir meinen Wunsch zu erfüllen, als mir das bei meinem Versuch gelungen ist, die Gelassenheit von der anderen Seite der Welt zu importieren.

Diesmal habe ich einen Vorteil: zum einen kann ich immer wieder mit meinem Exemplar des Buches auf die Reise gehen und zum anderen können Sie, liebe Leser, alle mit mir kommen. Vielleicht entdecken Sie noch Winkel, die mir verborgen waren, vielleicht kann Ulrich Georg Knappes Reise Sie von der Schönheit bestimmter Ideen überzeugen, vielleicht genügt es an der ein oder anderen Stelle aber auch, einfach schon die Erinnerungen an eine Möglichkeit zu teilen, um gemeinsam an ihr zu arbeiten. Ich denke es ist dringend nötig.

Ich jedenfalls würde gerne in der besten aller möglichen Welten leben, egal wie sie von denen genannt wird, die das aus Egoismus, Gier und Machtstreben derzeit verhindern möchten.

Daniel Obermüller, Dresden, Oktober 2025

Danksagung

Dieses Buch entstand ohne institutionellen und ohne kommerziellen Hintergrund. Umso dankbarer bin ich all jenen, die sich im Zuge seines Entstehens engagiert haben. Besonderer Dank gilt Wolfgang Scheler, Daniel und Anja Obermüller, Siegfried Fischer, Reinhard Klos, Wladislaw Hedeler, Rolf Ziegenbein, Rainer Böhme, Rainer Plesse, Eberhard Haueis, Eberhard Arnold, Horst Sylla, Artur Pech, Friedrich Groh, Dietmar Rode, Eckart Schröter, Lutz Kehler, Jürgen Schaarschmidt und vor allem meiner Frau Margitta Knappe.

Abkürzungsverzeichnis

a.a.O.

an anderem Ort

AdW

Akademie der Wissenschaften

Bd.

Band

BIP

Bruttoinlandsprodukt

BRD

Bundesrepublik Deutschland

BRICS

Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, Staatenbündnis

BYD

Build Your Dreams, chinesischer Autokonzern

bzw.

beziehungsweise

ca.

circa

CDU

Christlich Demokratische Union

ČSSR

Tschechoslowakische Volksrepublik

d. A.

der Autor

DB

Deutsche Bahn

DDR

Deutsche Demokratische Republik

d. h.

das heißt

DM

Deutsche Mark, Währung der BRD seit 1949 bis zur EURO Einführung 2002

dtv

Deutscher Taschenbuch Verlag

EUR

EURO, Gemeinschaftswährung innerhalb der Europäischen Union

et al.

und andere

etc. pp.

und so weiter und so fort

FED

Federal Reserve, Zentralbank der USA

ggf.

gegebenen falls

GOELRO

Gossudarstwennij plan elektrifikazii rossii, Staatsplan zur Elektrifizierung Russlands, ab 1920 erarbeitet

Gosplan

Gossudarstwennaja planowaja komissija (Staatliche Plankommission)

GPU

Gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije, Staatliche politische Vereinigung (Geheimpolizei der Sowjetunion seit 1922)

Details

Pages
290
Publication Year
2026
ISBN (PDF)
9783631946763
ISBN (ePUB)
9783631946770
ISBN (Hardcover)
9783631946787
DOI
10.3726/b23423
Language
German
Publication date
2026 (June)
Keywords
Gesellschaftstheorie Sozialismus russische Dorfgemeinde Totalitarismus New Deal Neoliberalismus Reformkommunismus Transformation Kalter Krieg Klassen Marktregulierung Kapitalismus Frieden Sozialdemokratie chinesischer Sozialismus
Published
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 290 S., 1 Tab.
Product Safety
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Biographical notes

Ulrich Knappe (Author)

Ulrich Georg Knappe, Jg. 1954, ist Hochschulingenieur, Diplomgesellschaftswissenschaftler und Philosophiehistoriker. In den 1980er Jahren studierte, lehrte und forschte er an der Militärakademie „Friedrich Engels“ in Dresden. Er war Mitgründer der Dresdener Studiengemeinschaft für Sicherheitspolitik e.V. Seit 2017 ist er als freier Autor tätig.

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