Iacopo da Varazze, Sermones de sanctis. Volumen breve, volumen diffusum. De sancto Petro martyre, De translatione beati Dominici, De sancto Dominico, De sancto Francisco, a cura di Giovanni Paolo Maggioni. Millenio medievale, 131,. Florenz: Sismel – Edizioni del Galluzzo, 2025, 409 S.
4 Seiten
Open Access
Journal:
Mediaevistik
Band 39
Ausgabe 1
Erscheinungsjahr 2026
pp. 451 - 454
Zusammenfassung
Sein bekanntestes Werk, die Legenda Aurea (Goldene Legende), war eines der meistgelesenen Bücher des Mittelalters – nach der Bibel vermutlich das verbreitetste überhaupt – und prägte über Jahrhunderte hinweg die religiöse Vorstellungswelt Europas. Iacopo da Varazze (Jacobus de Voragine, 1228-1298), Dominikaner und Erzbischof von Genua, gilt völlig zu Recht als Schlüsselvermittler von Wissen, Glauben und kulturellen Traditionen. Diese Vermittlungstätigkeit manifestiert sich ebenfalls in seinen Predigten, in denen nicht nur eine gebildete Elite, sondern auch die einfachen Gläubigen, die simplices, angesprochen wurden: Die Sermones bestechen durch klare Struktur, einfache Sprache und die Einbindung anschaulicher Geschichten und Legenden. Insbesondere die Heiligenpredigten (sermones de sanctis) erfreuten sich bis in die Frühe Neuzeit hinein großer Beliebtheit. Davon zeugt die hohe Zahl überlieferter Handschriften, die bisher das Erstellen eines kritischen Editionstext ungemein erschwerte. Giovanni Paolo Maggioni, der den Lehrstuhl für Mittellateinische Philologie an der Universität von Molise innehat, sich 1998 als Editor der Legenda Aurea in die Spitzenriege der italienischen Wissenschaft hineinkatapultieren konnte und in enger zeitlicher Taktung immer wieder maßstabsetzende Predigteditionen vorlegt, war sich der Herausforderungen bewusst. 2021 konnte er erste Editionen aus dem mare magnum der Heiligenpredigten des Iacopo da Varazze veröffentlichen (De sancto Georgio, De inventione sancte Crvcis, De sancta Margarita und De sancta Maria Magdalena), und grundlegende Ausführungen zur Überlieferung der Predigtzyklen finden sich in dieser Publikation (Iacopo da Varazze. Sermones de sanctis. Volumen diffusum, a cura di Giovanni Paolo Maggioni.Millennio Medievale, 119. Florenz: Edizioni del Galuzzo, 2021. Denn Iacopo verfasste zwei Zyklen mit Heiligenpredigten. Während der eine wenig mehr als sermoniale Grundgerüste lieferte, wurden im anderen diese Basistexte mit einer Fülle an zusätzlichem Material versehen. Aus der Kurzform („breve“) wurde die Langform („diffusum“). Anders ausgedrückt: Iacopo entwickelte das weiter, was in den Kurzpredigten thematisch-inhaltlich bereits angelegt war und lieferte so ein anschauliches Beispiel für das Prinzip der dilatatio, der Weiterentwicklung thematischen Materials innerhalb einer Predigt. Iacopo selbst hatte auf diese beiden Sammlungen in seinem letzten Werk, einer zwischen 1295 und 1298 verfassten Chronik der Stadt Genua, hingewiesen (Fecit etiam duo volumina sermonum de omnibus sanctis, quorum festivitates per anni circulum ab ecclesia celebrantur. Unum volumen est multum diffusum, aliud est magis breve et angustum). 305 Predigten im volumen breve stehen 393 Predigten im volumen diffusum gegenüber – was rund 250 Folien gegenüber 700 Folien in den Handschriften entspricht.
Details
- Seiten
- 4
- DOI
- 10.3726/med.2026.01.121
- Open Access
- CC-BY
- Erscheinungsdatum
- 2026 (August)
- Produktsicherheit
- Peter Lang Group AG