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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Zürich 2015

Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950

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Edited By Sabina Becker and Sabine Schneider

Einerseits gehörte Alfred Döblin nicht zu jener Gruppe von Autoren, die das Exil als einen ‚Weg ohne Rückkehr‘ oder gar als Chance erfuhr. Er ist andererseits aber auch nicht zu jenen Schriftstellern zu zählen, die in der Emigration völlig verstummten. Aufgrund seiner Bedeutung für die literarische Epoche des Exils ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Exilpositionen und -werken dieses Autors perspektivenreich. Döblins Werke werden im Kontext der Themen, Genres, Projekte, politischen Ausrichtung und kulturellen Tendenzen des gesamten Exils diskutiert, sein Wirken im Umfeld der Debatten und weiteren Aktivitäten der Exilierten verortet.
Der Band dokumentiert das 20. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2015 zum Thema „Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950“ in Zürich tagte.

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Unversöhnliche Feindschaft, sogar im Exil Salamon Dembitzer und Alfred Döblin (Von Joris Duytschaever)

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Unversöhnliche Feindschaft, sogar im Exil Salamon Dembitzer und Alfred Döblin

Joris Duytschaever

Abstract: Salamon Dembitzer (1888–1964) entpuppte sich 1934 mit der Satire Die Geistigen zum unerbittlichsten Widersacher Döblins. Vorangegangen waren aufgestaute Frustrationen des Ostjuden Dembitzer, der mit 14 Jahren nach Antwerpen auswanderte und sich als Hausierer und Bettelstudent durchzuschlagen versuchte, aber seine Hoffnung Arzt zu werden aufgeben musste, während Döblin nicht nur zu jener Zunft gehörte, sondern ihn auch literarisch übertraf. Obwohl Dembitzers jiddische Lyrik und seine Skizzen auf Deutsch nicht ohne Erfolg blieben, zählte er um 1930 nicht zur Spitzenklasse der Romanautoren und rächte sich mit einer Satire an den Machern, die ihm Anerkennung verweigerten. Er scheute Schläge unter die Gürtellinie nicht, vom Neid des Schlechtweggekommenen bedingt, aber auch von seiner Mitgliedschaft der KPD, die noch nicht bekannt war, als Uta Beiküfner 2007 die Satire mit einem Nachwort herausgab. Nachdem Dembitzer sich gegen Döblin ausgetobt hatte und das Feindbild 1940 nach Kalifornien verschwunden war, manifestierte sich ein obsessiver Wiederholungszwang: Während Dembitzers New Yorker Exils verhöhnte er den belgischen Autor Marnix Gijsen (Ps. des Diplomaten Jan Albert Goris), der 1920 Dembitzers Schrittmacher in Flandern gewesen war, aber ihm jetzt die flämische Geliebte ausspannte, wie erzählt im unveröffentlichten MS Das Mädchen von Flandern (1944). Das Bild Gijsens ist ebenso verzerrt wie Döblins. Döblin hat die Satire vielleicht nie zur Kenntnis genommen. Obwohl...

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