Show Less
Restricted access

Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Zürich 2015

Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950

Series:

Sabina Becker and Sabine Schneider

Einerseits gehörte Alfred Döblin nicht zu jener Gruppe von Autoren, die das Exil als einen ‚Weg ohne Rückkehr‘ oder gar als Chance erfuhr. Er ist andererseits aber auch nicht zu jenen Schriftstellern zu zählen, die in der Emigration völlig verstummten. Aufgrund seiner Bedeutung für die literarische Epoche des Exils ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Exilpositionen und -werken dieses Autors perspektivenreich. Döblins Werke werden im Kontext der Themen, Genres, Projekte, politischen Ausrichtung und kulturellen Tendenzen des gesamten Exils diskutiert, sein Wirken im Umfeld der Debatten und weiteren Aktivitäten der Exilierten verortet.
Der Band dokumentiert das 20. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2015 zum Thema „Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950“ in Zürich tagte.

Show Summary Details
Restricted access

„Den Toten die Münder öffnen“Alfred Döblins Beitrag zur (Exil-)Debatte über den historischen Roman (Von Katharina Grätz)

Extract

← 234 | 235 →

„Den Toten die Münder öffnen“ Alfred Döblins Beitrag zur (Exil-)Debatte über den historischen Roman

Katharina Grätz

Abstract: Der historische Roman erlebte zur Zeit des Exils eine erstaunliche Konjunktur und zugleich erreichte die theoretische Auseinandersetzung mit ihm in den Zirkeln der emigrierten Dichter neue Intensität. Döblin griff 1936 mit zwei Beiträgen in diese Debatte ein: mit dem Artikel Historie und kein Ende und dem umfangreicheren Essay Der historische Roman und wir, der auf einem Vortrag gründete, den er im Juni 1936 im „Schutzverband deutscher Schriftsteller“ in Paris hielt. Seine Überlegungen stehen im Horizont der Gattungsdebatte der emigrierten Autoren, aus der er zahlreiche Argumente aufgreift, und erhalten dennoch eigenes Gepräge. Während etwa Feuchtwanger den historischen Stoff zum bloßen Kostüm für das subjektive Lebensgefühl des Autors erklärt, beschreibt Döblin ihn als einen Impulsgeber, der die künstlerische Gestaltungskraft aktualisiert, indem er das Eigene des Autors in ein Resonanzverhältnis zur Fremdheit des Stoffes setzt. Der historische Stoff erscheint so als ein Medium, das die Aussprache des Eigenen und zugleich eine kritische Erkundung der gesellschaftlichen und politischen Gegenwart ermöglicht.

Der historische Roman, in der literarischen Moderne vielfach totgesagt und zum musealen Relikt abgestempelt, erlebte in der Zeit der Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland eine erstaunliche Konjunktur1 und zugleich eine sprunghafte künstlerische Modernisierung.2 Neben Döblins groß angelegten epischen Experimenten mit dem historischen Erzählen ist vor...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.