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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Die heilende Wirkung von Texten. Grimmelshausens Des Vortrefflich Keuschen Josephs in Egypten Lebensbeschreibung samt des Musai Lebens-Lauff (Helmut Aßmann)

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HELMUT ASSMANN (Neustadt/Weinstraße)

Die heilende Wirkung von Texten. Grimmelshausens Des Vortrefflich Keuschen Josephs in Egypten Lebensbeschreibung samt des Musai Lebens-Lauff

Es soll in diesem Beitrag versucht werden, zwei Texte der Antike miteinander zu vergleichen und sie auf ihre Verwendung in der modernen Psychologie zu befragen. Beide Texte sind miteinander durch Träume und Orakelsprüche und durch deren Eintreffen im Lauf des Geschehens literarisch verwandt, wenn sie auch aus sehr unterschiedlichen Kontexten stammen, einem unserer religiösen Vorstellungswelt vertrauten jüdisch-alttestamentlichen und einem unserer religiösen Vorstellungswelt eher fremden, dem der sogenannten klassisch-griechischen Antike. Beide zählen zu den Wurzeln unserer abendländischen Tradition und wurden auch in zwei unterschiedlichen therapeutischen Schulen wiederentdeckt. Es sind dies die Psychoanalyse von Sigmund Freud und die analytische Psychologie von C. G. Jung. Freud hat sich nachweislich auf den Ödipusmythos bezogen, wenn er durch seine Methode der Psychoanalyse den Ödipuskomplex nachweisen konnte. C. G. Jungs Ziel der Individuation und der Selbstwerdung des Menschen lässt sich in der Josephs-Erzählung wiedererkennen, wenn Joseph von Gott zum „Vater des Pharao, zum Herrn über das Haus des Pharao und zum Herrscher über ganz Ägypten“ gemacht wird (Gen 45, 8). Damit ergibt sich der Sachverhalt, dass sich aus zwei grundverschiedenen Texten der Antike eine Brücke zu zwei Heilverfahren schlagen lässt, was Anlass zur Frage gibt, ob diese Texte nicht auch ursprünglich zum Zweck der Heilung von psychischen Erkrankungen überliefert worden sind.

Grimmelshausen, der in seinem Roman Des...

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