Show Less
Restricted access

Simpliciana XLII (2020)

Series:

Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

Show Summary Details
Restricted access

Umkämpfte Hausordnung. Zur Korrespondenz von Seele und Sinnen in Jacob Baldes Urania Victrix

Umkämpfte Hausordnung. Zur Korrespondenz von Seele und Sinnen in Jacob Baldes Urania Victrix

Extract

DENNIS BORGHARDT (Duisburg-Essen)

CAROLIN ROCKS (Hamburg)

Es ist sicherlich kein euphorisches Urteil, das Herder in der Terpsichore (1796) über Jacob Baldes 1663 veröffentlichten elegischen Zyklus Urania Victrix abgibt:

Die Urania […] ist ein moralisch-mystisches Lehrgebäude in mancherlei Einkleidungen, durchaus in Elegischen Briefen. Jede Macht und Kunst, ja jedes Vergnügen unsrer Sinne wird von dem Künstler, der für diesen Sinn arbeitet, gepriesen; Urania zerstört jedem Künstler seinen Ruhm, jedem Sinn seine Freuden; sie will die Seele des Menschen, geläutert von jeder täuschenden Einbildung, zum Himmel erheben. Ein hartes, im Grunde unpoëtisches System! Da es aber in Briefen, für und wider jede Sinnlichkeit vorgetragen ist: so sind Stellen und Einkleidungen in ihm sehr schätzbar.1

Herder ist indessen unverdächtig, das poetische Können des jesuitischen und bereits zu Lebzeiten erfolgreichen neulateinischen Dichters einfach abzuurteilen, hat er doch seit 1793 begonnen, dessen Oden ins Deutsche zu übertragen – erschienen in dem dreibändigen Übersetzungskonvolut Terpsichore. Für die nachstehende Lektüre der Urania Victrix liefert Herders Bewertung, darauf kommt es hier an, die ent←205 | 206→scheidenden Stichwörter: Modelliert der Text tatsächlich ein moralischtheologisches ,Lehrgebäude‘ über Ordnung und Bestimmung der christlichen Seele und vor allem, fasst er dies in ein allzu erbauliches und – wie Herder meint – „unpoëtisches System“? Zugespitzt gefragt: Überwiegt der theologische Lehrgehalt gegenüber dem ästhetischen Anspruch der elegischen Versepisteln?

Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Balde...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.