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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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Verführungsszenen. Zum Motiv der verkehrten Welt in Grimmelshausens Josephsgeschichte und in der biblischen Josephserzählung

Verführungsszenen. Zum Motiv der verkehrten Welt in Grimmelshausens Josephsgeschichte und in der biblischen Josephserzählung

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Der biblische Joseph wird von den Midianitern (Gen 37, 36) bzw. den Ismaelitern (Gen 39, 1) seinen Brüdern abgekauft und an einen Ägypter namens Potiphar weiterverkauft. Dieser ist nicht der Vater der Assenat, die Joseph später vom Pharao als Geschenk erhält (Gen 41, 45). Die ,Namensgleichheit‘ ist eine Ungeschicklichkeit, die auf einen Mangel an Kenntnis ägyptischer Namen seitens des Erzählers zurückzuführen ist, der in der Perserzeit schrieb. Potiphar ist laut biblischem Bericht ein Kämmerer und Oberster des Pharaos. Die Personenbeschreibung gibt einen Vorausblick auf die zu erwartenden amourösen Avancen der Ehefrau Potiphars auf den Sklaven Joseph frei, den ihr Mann entweder „seiner Schönheit wegen zum Mißbrauch erkaufft“ habe oder der „auß Anstalt deß Potiphars Gemahlin erkaufft worden“ sei.1 Die durch die unterschiedlichen Motivationen beim Kauf vorgegebene Situation lässt die Affekte zwischen den handelnden Personen in ein deutliches Licht treten, ein Aspekt, der in den Nachdichtungen, der Assenat Philipp von Zesens und dem Keuschen Joseph Grimmelshausens, reichlich Gelegenheit zu Ausgestaltungen gibt. Dabei ist zu beobachten, dass hier die Frau als Verführerin des Mannes auftritt, was ein klassischer Rollentausch im Geschlechterverhältnis ist und in der Auffassung Grimmelshausens ein Beleg für die verkehrte Welt, die auch im Simplicissimus Teutsch als Motiv gestaltet wurde.

Er berichtet dort von einem Erlebnis des Protagonisten im Venusberg in Paris, wo er durch Prostitution von maskierten Damen der Pariser Oberschicht 500 Dublonen erhält, die ihm aber bald entwendet werden. Infolge des...

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