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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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Roman Widder: Pöbel, Poet und Publikum. Figuren arbeitender Armut in der Frühen Neuzeit. (Philip Reich)

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Roman Widder: Pöbel, Poet und Publikum. Figuren arbeitender Armut in der Frühen Neuzeit. Konstanz: Konstanz University Press 2020. 484 S., 7 Abb.

Die Leitvokabel der Dissertationsschrift von Roman Widder ist zweifellos der Begriff ‚Pöbel‘, von dem sowohl inhaltliche als auch methodische Entscheidungen ausgehen. Darin kumulieren als „Resonanzkörper populistischer Parolen“ (S. 9) ab dem 16. Jahrhundert die Stigmatisierung ehrloser Nutzlosigkeit, soziale Trivialisierung und polemische Abwertung marktwirtschaftlicher Konkurrenten. Doch die Bezeichnung impliziert gerade auch eine Selbstbeschreibung des Sprechers, der in der Präsenz ebendieses ‚Pöbels‘ eine Bedrohung sieht oder erst evoziert. Es handelt sich mithin um „keine empirische Größe der sozialen Wirklichkeit“ (S. 43), vielmehr um ein Konstrukt durch die Negativierung neutraler Termini (z. B. des ‚gemeinen Mannes‘). Der Pöbel artikuliert sich also einerseits als Stilfigur in poetologischen und politischen Diskursen, andererseits als Figurentyp innerhalb literarischer Texte. Dieser Doppelung folgt auch die Struktur von Widders Buch, in dem auf die instruktive Einleitung die alliterierenden Teile des Titels folgen: (1.) Pöbel, Poet – aufgeteilt in (2.) den Pickelhering des Dramas und (3.) den Pikaro des Romans – und (4.) Publikum.

Im ersten Teil konzentriert sich Widder auf poetologische und politische Texte. Indem er Martin Opitz’ Buch von der Deutschen Poeterey (1624) mit politischen Flugschriften aus der Inflationskrise der Kipper- und-Wipper-Zeit (1620–1624) engführt, kann er die erste deutsche Poetik als Apologie im Kontext ökonomischer Prekarisierung verorten; soziale Fragen seien für das Verständnis des Textes und anderer Barockpoetiken wichtiger als der...

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