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Frühneuzeitliche Stereotype. Zur Produktivität und Restriktivität sozialer Vorstellungsmuster

V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Wrocław 8. bis 11. Oktober 2008

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Edited By Miroslawa Czarnecka, Thomas Borgstedt and Thomasz Jablecki

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Stereotype vereinfachte, schablonenhafte Vorstellungen von Menschen, die weniger auf der eigenen Erfahrung gründen. Sie transportieren eher ein mit Wertungen durchsetztes, geronnenes Erfahrungswissen innerhalb der Kulturen. Im Sinne der historischen Semantik und Stereotypenforschung sind sie nicht ausschliesslich als Vorurteile zu verstehen, sondern mehrwertig zu bestimmen. Dieser Band vereinigt Beiträge zur V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft, die vom 8. bis 11. Oktober 2008 in Wrocław stattfand. Er befasst sich mit Formen und Funktionen von nationalen, sozialen, anthropologischen, konfessionellen und Gender-Stereotypen sowie von begrifflichen und metaphorischen Stereotypen. Es gilt zu zeigen, wie sie in den Medien der Frühen Neuzeit vermittelt wurden – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen wie Grafik, Malerei und Skulpturenkunst, sei es in der Gebrauchsliteratur, in medialen Mischformen des Flugblatts und der Emblematik. Die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung dieses Themas erscheint gerade heute – in einem nach der EU-Erweiterung erneut veränderten Europa – als besonders aktuell und wichtig.

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Rhetorik und Stereotyp in den schlesischen Chroniken des 17. Jahrhunderts Jolanta Szafarz 399

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Rhetorik und Stereotyp in den schlesischen Chroniken des 17. Jahrhunderts Jolanta Szafarz In dem vorliegenden Beitrag versuche ich die im 17. Jahrhundert gängigen rhetorischen Muster im Bezug auf die Geschichtsauffassung zu überprüfen und dabei auf die Entstehung der stereotypen Denkmodelle zu verweisen. Dabei erweist es sich als notwendig, auf das sozial-kulturelle Umfeld der damaligen Zeit einen Blick zu werfen. Bekanntlich orientiert sich das ba- rocke Bildungsideal in hohem Maße am Humanismus und bekam allmählich im Laufe der Zeit eine politische Funktion. Das neue politische Bildungsideal hing zusammen mit der Entstehung einer neuen Schicht der Beamtenaristokratie, die sich im Zug der Festigung des Territorialfürstentums nach dem Westfälischen Frieden überall an den großen Höfen gebildet hatte und zwischen den überkommenen Antagonis- men von feudalistischem Adelsbewusstsein und humanistischen Gelehrten- stolz Orientierung suchte.1 „Als Diplomaten, Berater und Verwaltungsfach- leute waren die (oft nicht aus dem Geburtsadel stammenden) Angehörigen dieser neuen Schicht immer unentbehrlicher geworden, und dieses Bewuss- tsein, verbunden mit der täglichen Erfahrung der Abhängigkeit vom Souve- rän“2 hatte zur Ausbildung einer neuen Haltung beigetragen. Vom einfachen Bürgertum hob sich der gebildete Beamte durch den höfischen Glanz ab, durch das weltmännische, weltlich selbstherrliche Element der Hofszene. Er beschäftigte sich mit der Literatur. Dabei wurden sämtliche rhetorischen Dis- ziplinen darunter auch die Logik unter politischer Zielsetzung verwendet. Die Konfrontation der angestrebten rhetorischen Ideale mit dem „ge- meinem Leben“ ließ Stereotype entstehen. Daran werden soziale Aspekte der Barockrhetorik...

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