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Frühneuzeitliche Stereotype. Zur Produktivität und Restriktivität sozialer Vorstellungsmuster

V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Wrocław 8. bis 11. Oktober 2008

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Edited By Miroslawa Czarnecka, Thomas Borgstedt and Thomasz Jablecki

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Stereotype vereinfachte, schablonenhafte Vorstellungen von Menschen, die weniger auf der eigenen Erfahrung gründen. Sie transportieren eher ein mit Wertungen durchsetztes, geronnenes Erfahrungswissen innerhalb der Kulturen. Im Sinne der historischen Semantik und Stereotypenforschung sind sie nicht ausschliesslich als Vorurteile zu verstehen, sondern mehrwertig zu bestimmen. Dieser Band vereinigt Beiträge zur V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft, die vom 8. bis 11. Oktober 2008 in Wrocław stattfand. Er befasst sich mit Formen und Funktionen von nationalen, sozialen, anthropologischen, konfessionellen und Gender-Stereotypen sowie von begrifflichen und metaphorischen Stereotypen. Es gilt zu zeigen, wie sie in den Medien der Frühen Neuzeit vermittelt wurden – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen wie Grafik, Malerei und Skulpturenkunst, sei es in der Gebrauchsliteratur, in medialen Mischformen des Flugblatts und der Emblematik. Die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung dieses Themas erscheint gerade heute – in einem nach der EU-Erweiterung erneut veränderten Europa – als besonders aktuell und wichtig.

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Die Bücherflut in der Frühen Neuzeit – realweltliches Problem oder stereotypes Vorstellungsmuster? Dirk Werle 469

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Die Bücherflut in der Frühen Neuzeit – realweltliches Problem oder stereotypes Vorstellungsmuster? Dirk Werle Der Pommersche Biograph Melchior Adam (~1575–1622) schreibt 1615 in der ersten seiner Vitae Germanorum philosophorum, die den ersten Buch- druckern, Johann Fust und Johann Gutenberg gewidmet ist, ihre Kunst sei zunächst vielgelobt und einträglich gewesen. „Aber wie es auch mit anderen Dingen ist, so wird heutigentags, da die Menge der Bücher unermesslich ist, auch diese höchst nützliche Kunst entwertet [...].“1 In dieser Beschreibung wird die librorum copia als Problem angesprochen: Zunächst für die Buch- drucker, deren Geschäft nicht mehr gut läuft, in zweiter Linie und implizit aber als kulturelles, näherhin als epistemisches Problem: Es gibt zu viele Bücher. Der Ideenhistoriker wird hier jedoch schnell hellhörig: Ist das, was Adam beschreibt, wirklich ein Problem in der Zeit, oder handelt es sich nicht vielmehr um ein stereotypes Vorstellungsmuster? Der folgende Beitrag be- steht aus vier Teilen. Im ersten Teil sage ich etwas zu der Frage, was über- haupt ein kulturelles Problem ist und lanciere die These, dass kulturelle Probleme im Rahmen ihrer literarischen Thematisierung häufig mittels ste- reotyper Redeweisen zum Ausdruck gebracht werden; im zweiten Teil gehe ich auf eine dieser Redeweisen in der Frühen Neuzeit ein, nämlich auf die Rede von der copia librorum; im dritten Teil stelle ich eine damit zusam- menhängende Metaphorik vor, nämlich die Metaphorik der Bücherflut; und im vierten und letzten Teil schlie...

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