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Ethik in der Palliative Care

Theologische und medizinische Erkundungen

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Lea Siegmann-Würth

Palliative Care ist eine Antwort auf grundlegende Fragen der modernen Medizin: Wie weit wollen, sollen oder mMedizin: Wie weit wollen, sollen oder müssen wir Leben erhalten, verlängern und verbessern, wenn es von unheilbarer Krankheit, Alter oder Sterben begrenzt wird? Was wird für ein der menschlichen Würde und Freiheit gerecht werdendes Leben und Sterben gefordert? Ist alles medizinisch Machbare zu tun, oder widerspricht dies persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von einem guten Leben und Sterben? Und dort, wo die heutige Medizin an ihre Grenzen stösst, wie gehen wir mit dem Leiden und Sterben um? Welche Bedürfnisse stehen in diesen Situationen im Vordergrund? Wie kann ihnen für möglichst alle entsprochen werden? Was ist wesentlich in der Beziehung, in Haltung und Verhalten zueinander zwischen jenen, die unheilbar krank sind, die gehen müssen, vielleicht wollen, und jenen, die sie in dieser Situation betreuen und begleiten? Das Buch «Ethik in der Palliative Care» gibt Antworten auf diese Fragen, indem es umfassend die historischen, medizinischen, ethischen und theologischen Hintergründe von Palliative Care beschreibt und ihren Stellenwert im Schweizer Gesundheitssystem dokumentiert.

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5. Medizinethische Grundlegung 75

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75 5. Medizinethische Grundlegung 5.1 Ärztliches Berufsethos und historische Entwicklung zur medizinischen Ethik Schon in frühester Zeit regelte die Medizin in moralischer Hinsicht ihr Handeln. Sie brachte dies in der Form eines ärztlichen Berufsethos zum Ausdruck. Im grundsätzlich bis heute bestehenden Ethos verpflichten sich die Ärztinnen und Ärzte, Grundregeln ihres Berufsstandes einzu- halten. Dazu gehören das Wohl der Patienten als oberstes Gesetz (salus aegroti suprema lex) zu beachten und den Patienten insbesondere kei- nen Schaden zuzufügen (primo nil nocere). Zudem verbinden sich mit dem Ethos Einstellungen und Grundhaltungen wie die Hilfsbereitschaft oder Verschwiegenheit. Das Berufsethos gibt sich die Ärzteschaft selbst. Sie trägt es berufsintern weiter. Wirksam kann es aber nur sein, wenn sich die Ärzteschaft als Einheit versteht und das Ethos sowohl für die Ärzteschaft wie die Gesellschaft transparent, überblickbar und in sei- nen Wertüberzeugungen nachvollziehbar ist. Primär realisiert sich das Ethos in der Beziehung zwischen Pa- tient und Arzt als einem zentralen Ort medizinischen Handelns. Darin manifestiert sich, dass medizinisches Handeln nicht lediglich eine sta- tische Anwendung medizinisch-technischen Wissens und Könnens ist. Vielmehr können im Zusammenhang mit der Erkrankung eines Men- schen alle Dimensionen einer Person in ihrer Existenz betroffen sein und Krankheit wie medizinisches Handeln verlaufen prozesshaft auf eine offene Zukunft hin. Im Verhältnis zwischen Arzt und Patient spielt auch ein entsprechendes Ethos der Patienten eine Rolle. Es beinhaltet, dem Arzt gegenüber einen Vertrauensvorschuss zu gewähren, eine an- gemessene Anspruchshaltung einzunehmen und die Grenze zwischen...

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