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Späte Blüte in Side und Perge

Die pamphylische Bauornamentik des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Christian Alexander Gliwitzky

Kann eine Epoche politischer Wirren, ökonomischen Niedergangs und zahlreicher militärischer Konflikte bedeutende architektonische Leistungen hervorbringen? Mit Blick auf das römische Reich während der «Soldatenkaiserzeit» des 3. Jahrhunderts n. Chr. wird diese Frage in der Forschung meist verneint. Man nimmt an, dass die Bauwirtschaft, die zuvor besonders in Kleinasien noch eine Fülle von öffentlichen Großbauten realisiert hatte, in den Jahrzehnten nach 200 fast völlig zum Erliegen gekommen sei.
Diese Sicht der Dinge revidiert der Autor in wesentlichen Punkten. Eine ganze Reihe architektonischer Großprojekte in Side und Perge, den antiken Metropolen der Landschaft Pamphylien, datiert er anhand der Baubefunde und der inschriftlichen Quellen ins 3. Jahrhundert. Erstmals wird dabei der Versuch unternommen, mit Hilfe der ornamentierten Bauglieder die Stilentwicklung des pamphylischen Architekturschmucks an der Schwelle zur Spätantike nachzuzeichnen. So kann die Lücke zwischen dem gut erforschten kleinasiatischen Baudekor der Zeit um 200 und dem wohl bekannten des späten 4. Jahrhunderts an theodosianischen Bauten in Konstantinopel zumindest in Teilen geschlossen werden.

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B. Monumente des 3. Jahrhunderts in Perge

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I. Das Nymphäum (F2/F4) zwischen dem hellenistischen und dem spätantiken Stadttor 1. Lage und Zustand der Ruine Seit hellenistischer Zeit wurde im städtischen Sied- lungsbezirk südlich der Akropolis von Perge an ei- nem neuen monumentalen Befestigungswerk gebaut.1 Die Mauerzüge im Westen und Osten führte man vom Fuß der Akropolis in gerader Linie nach Süden, die Südflanke der Unterstadt hingegen sollte mit ei- ner in nordwestlich-südöstlicher Richtung verlau- fenden Mauer abgeriegelt werden [Plan 1. 2]. Nach neuesten Erkenntnissen der türkischen Ausgräber in Perge kamen in diesem Bereich der Befestigung bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit jedoch nur die Türme und einige wenige Kurtinen zur Ausführung: Solche Verbindungsmauern sind später beim Bau der sog. Südthermen (I) in die Architektur miteinbezogen worden, während sich auf dem Areal der kaiser- zeitlichen Agora (E) keinerlei entsprechende Reste nachweisen lassen.2 Den südlichen Zugang zum eigentlichen Stadt- gebiet gewährleistete das von zwei mächtigen Rund- türmen flankierte Haupttor (D) mit seinem zunächst nach Süden hin geöffneten Torhof. Wohl schon in tiberisch-claudischer Zeit verlor diese Anlage jedoch ihren wehrhaften Charakter, da der Bereich zwischen den Türmen durch einen Torbogen weitgehend ge- schlossen wurde, man den rückwärtigen Innenhof nach Norden hin hufeisenförmig erweiterte und zur Stadt hin öffnete.3 Dem Funktionswandel beim Haupttor folgten wei- tere gravierende Veränderungen in der Stadtanlage: Bereits während des ersten nachchristlichen Jahrhun- derts expandierte Perge...

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