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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

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Edited By Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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Eine ‚Flaneurin‘ in Tokio. Einige Überlegungen zu Japonski wachlarz (Japanischer Fächer) von Joanna Bator 225

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Eine ‚Flaneurin‘ in Tokio. Einige Überlegungen zu Japoski wachlarz (Japanischer Fächer) von Joanna Bator Urszula Kawalec Unter den das Buch von Joanna Bator einleitenden Mottos steht der berühm- te Satz aus Oskar Wildes Essay The Decay of Lying (1889): “The whole of Japan is a pure invention.” Diese Worte, die das bis heute andauernde Phä- nomen der so kreativen westlichen Wahrnehmung Japans ironisch-polemisch charakterisieren, werfen auch ein Licht auf ihre eigene Art des Zugangs zu diesem Land. Die polnische Schriftstellerin, Publizistin, Kulturanthropologin und Gender-Forscherin (geb. 1968) bekennt bezeichnenderweise schon im ersten Satz ihres Vorwortes entschlossen: „Ich bin keine Japanologin“ (9)1 und deutet damit ihren Untersuchungsansatz und die Art des Zugangs zum Stoff an. Der fast durch einen Zufall, der sich im Nachhinein als eine glück- liche Fügung herausstellte, ausgelöste zweijährige Forschungsaufenthalt Anfang des 21. Jahrhunderts in Tokio, wurde anfangs lediglich als Versuch behandelt, eine Phase der Selbstreflexion und Suche nach neuen Möglichkei- ten der beruflichen Entwicklung, abseits der unbefriedigenden akademischen Laufbahn, zu verlängern.2 Aus diesen Erfahrungen entstand tatsächlich ein Buch, das keine wissenschaftlich-analytische Objektivierung anvisiert. Dies mag an einer gewissen generellen Scheu westlicher Autoren liegen, ihren Erkenntnisanspruch im Hinblick auf dieses nie völlig Erkennbare und Ver- stehbare, auf das Fremde – ein Topos der westlichen Japanliteratur – einzu- lösen. Es darf nicht verwundern, da selbst die ausgewiesene polnische Japa- nologin Jolanta Tubielewicz in ihrem Sachbuch mit vielsagendem Titel Japonia – zmienna czy niezmienna? (Japan – veränderlich oder unveränder- lich...

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