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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

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Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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Eine aufgeklärte Dame im Harem: Lady Mary Montagus und Denise Zintgraffs Beschreibungen einer Reise in den Orient 275

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Eine aufgeklärte Dame im Harem: Lady Mary Montagus und Denise Zintgraffs Beschreibungen einer Reise in den Orient Agnieszka Brockmann Ein Vergleich der Reiseberichte von Lady Mary Montagu und von Denise Zintgraff mag als ebenso abenteuerlich erscheinen wie die Reisen der beiden Autorinnen selbst. Es handelt sich schließlich um Berichte von Reisen in verschiedene Länder aus unterschiedlichen Epochen. Die Lebensumstände der Autorinnen könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein: Die eine ist die Gattin eines englischen Diplomaten aus dem 18. Jahrhundert, die andere ist eine moderne Geschäftsfrau und Kunstexpertin, die zwischen den Weltmetropolen und einem stillen Rückzugsort auf Ibiza pendelt. Und doch weisen beide Texte bei genauerer Betrachtung genug Gemeinsamkeiten auf, um einen Vergleich zu ziehen. Beide Autorinnen nehmen innerhalb ihrer Gesellschaft eine ähnliche Position ein: Sie gehören zu den Privilegier- ten, sind gebildet, erfahren im Umgang mit der Fremde und finanziell unab- hängig. Sie reisen, wenn auch nicht ausschließlich aus Neugier und Aben- teuerlust, so doch aus freiem Willen.1 Ähnlich ist auch die Position, in der sie in der Fremde auftreten: Beide wurden in das jeweilige Zielland als Reprä- sentantinnen ihrer Kultur eingeladen, beide sind sich dieser Position be- wusst, obwohl sie sehr unterschiedlich mit ihrer Rolle umgehen. Sowohl Montagu als auch Zintgraff verstehen ihre Reise als eine Art gesellschaftli- chen Auftrag, der sie zur Berichterstattung verpflichtet, um einerseits ‚die Wahrheit‘ von der fremden, mythenumwobenen Kultur zu vermitteln, ande- rerseits um ein Verständnis für diese in...

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