Show Less

Patentschutz und Innovation

Eine ökonomische Analyse aus globaler und nationaler Sicht

Series:

Christoph Kilchenmann

Der Wohlstand von Nationen basiert auf deren Fähigkeit, innovative Produkte herzustellen: Nicht rohstoffreiche Länder gehören heute zu den wohlhabendsten, sondern Länder mit Erfindern und Unternehmen, die ihre Produkte ständig verbessern und mit neuen Funktionen versehen. Erfindungspatente gelten daher als wichtigstes Instrument der Wirtschaftspolitik, um Innovation zu fördern. Welche Bedeutung hat also das Patentrecht für das Wirtschaftswachstum? In Patentschutz und Innovation werden Wirkungen und Nebenwirkungen von Patenten analysiert und alternative wirtschaftspolitische Massnahmen – etwa staatliche Förderprogramme oder Innovationspreise – diskutiert. Einen Schwerpunkt bildet die Untersuchung von Möglichkeiten und Grenzen einer national orientierten Innovationspolitik in einem globalen Umfeld. Der Ruf nach einer Stärkung des Patenschutzes wie auch dessen Ausdehnung auf neue Gebiete, beispielsweise Softwareentwicklung oder Biotechnologie, wird unter diesem Aspekt einer vertieften Prüfung unterzogen. Der Autor erörtert Anreize und Verhalten von Erfindern, Unternehmen, Patentanwälten sowie des Patentamtes und der Justiz. Aus der Analyse leitet er Empfehlungen zuhanden der Wirtschaftspolitik ab.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6 Patentökonomie - 161

Extract

Bei Erfindungen ist der Erste immer der Dumme; den Ruhm kassiert der Zweite, und das Geschäft macht erst der Dritte. Martin Kessel (1960) Gegengabe IV Kapitel 6 Patentökonomie 6.1 Ökonomen und der Patentschutz Die meisten Ökonomen haben ein ambivalentes Verhältnis zum Patent- schutz. Die Vielzahl der Variablen, die bei einer Nutzen-Kosten-Analyse zu berücksichtigen wäre, macht eine rationale Einschätzung schwierig. Während es für einzelne Branchen möglich scheint, den Patentschutz ökonomisch zu rechtfertigen und vielleicht gar den optimalen Umfang der Erfinderrechte zu bestimmen, tun sich viele Ökonomen schwer damit, ein allgemein gültiges Urteil abzugeben. Eine «fallweise» oder «branchen- weise» Zuteilung von geistigen Eigentumsrechten ist rechtlich allerdings kaum umsetzbar und erforderte zudem «perfekte» Patentbehörden – nicht zuletzt aus politisch-ökonomischer Sicht eine unrealistische Annahme (vgl. die Diskussion in Kap. 10). Vor 1850 genossen Patente vergleichsweise viel Akzeptanz, insbeson- dere bei französischen und englischen Ökonomen (vgl. Machlup und Penrose, 1950), was daran liegen mag, dass das Patentrecht in Frankreich 161 und England bereits früh etabliert war (Kurz, 2000). Im Rahmen der Freihandelsbewegung um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich das Blatt zu wenden. In mehreren Ländern, insbesondere aber in Deutsch- land, wo nach der Einigung lange um die Einführung eines gesamtdeut- schen Reichspatentrechts gerungen wurde, entstand eine lebhafte Anti- Patentbewegung (Machlup und Penrose, 1950). Patente wurden von ihren Gegnern Zöllen gleichgesetzt. Die Opposition hatte am meisten Er- folg in den Niederlanden, die das existierende Patentrecht 1869 abschaffte,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.