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Ungarn vererben?

Intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz

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David Zimmer

In der Schweiz aufgewachsene Kinder von Immigranten fühlen sich oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden, obwohl sie diese(s) nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen. Wie kommt dieses – oftmals diffuse – Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zustande?
Im vorliegenden Buch wird dieser Frage am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz nachgegangen. Auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Interviews mit drei Dutzend ungarischen Immigranten der ersten, zweiten und dritten Generation werden verschiedene Felder sozialer Interaktion untersucht, in denen sich das Zugehörigkeitsgefühl zur ungarischen Kultur bzw. zu Ungarn herauskristallisiert: Sprache, Name, Familie und Verwandtschaft, Ungarnaufenthalte, Kontakte zu Ungarn in der Schweiz, Vereine und Institutionen, Ehepartner, Brauchtum und Religion, bildungsbürgerliche Kultur, Staatsangehörigkeit, Alltag.

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2. Migration und Integration: Von der viersprachigenzur multikulturellen Schweiz 23

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23 2. Migration und Integration: Von der viersprachigen zur multikulturellen Schweiz Migration ist eine Grundkonstante der Menschheitsgeschichte und «gehört zur Conditio humana wie Geburt, Vermehrung, Krankheit und Tod».22 Seit jeher bewegen sich einzelne Menschen ebenso wie Gruppen von Menschen im physisch-geographischen und sozialen Raum und lassen sich vorübergehend oder dauerhaft an einem ande- ren Ort nieder. Neu an der Migration im 19., 20. und frühen 21. Jahr- hundert ist vor allem zweierlei: Erstens, dass dank motorisierter Fort- bewegungsmittel (Schiff, Eisenbahn, Automobil, Flugzeug etc.) jeder beliebige Punkt der Erde innert kurzer Zeit erreichbar geworden ist, während früher für die gleiche Strecke eine tage-, wochen-, ja mona- telange Reise notwendig war. Reisen ist schneller, einfacher und bil- liger geworden, und die Mobilität der Menschen hat – gemessen an den Kilometern, die sie zurücklegen – gegenüber früher deutlich zu- genommen. Ebenfalls eine moderne «Erfindung» ist zweitens die nationalstaatliche Strukturierung des Raumes, in dem Migration statt- findet. Die modernen Nationalstaaten, wie sie seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden sind, haben nationalstaatliche Grenzen gesetzt und durchgesetzt; sie versuchen, Migration zu kontrollieren und zu regulieren, und bestimmen deren sozioökonomische, rechtliche und sonstige Rahmenbedingungen.23 22 Bade/Emmer/Lucassen/Oltmer 2007, S. 19. 23 Borkert/Pérez/Scott/De Tona 2006, S. [1–2]. 24 (De-)Konstruktion des Nationalstaates Der Migrant, die Migrantin bewegt sich also nicht einfach von einem Ort zu einem anderen, sondern in vielen Fällen zugleich von einem Nationalstaat in einen anderen; dabei überschreitet er/sie national- staatliche Grenzen, die oft...

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