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Ungarn vererben?

Intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz

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David Zimmer

In der Schweiz aufgewachsene Kinder von Immigranten fühlen sich oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden, obwohl sie diese(s) nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen. Wie kommt dieses – oftmals diffuse – Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zustande?
Im vorliegenden Buch wird dieser Frage am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz nachgegangen. Auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Interviews mit drei Dutzend ungarischen Immigranten der ersten, zweiten und dritten Generation werden verschiedene Felder sozialer Interaktion untersucht, in denen sich das Zugehörigkeitsgefühl zur ungarischen Kultur bzw. zu Ungarn herauskristallisiert: Sprache, Name, Familie und Verwandtschaft, Ungarnaufenthalte, Kontakte zu Ungarn in der Schweiz, Vereine und Institutionen, Ehepartner, Brauchtum und Religion, bildungsbürgerliche Kultur, Staatsangehörigkeit, Alltag.

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6. Gespräche mit Deutschschweizer Akademikerinnen undAkademikern ungarischer Herkunft der ersten, zweiten unddritten Generation: Methode, Fragen und Antworten 205

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205 6. Gespräche mit Deutschschweizer Akademikerinnen und Akademikern ungarischer Herkunft der ersten, zweiten und dritten Generation: Methode, Fragen und Antworten Das Interview als sozialwissenschaftliche Methode In den letzten Jahrzehnten hat das Interview als Forschungsmethode in den qualitativ orientierten Sozialwissenschaften zunehmend an Be- deutung gewonnen. In der Fachliteratur werden die verschiedenen Formen und Methoden sozialwissenschaftlicher Interviews unter- schiedlich systematisiert und benannt; gemäss der Volkskundlerin Brigitta Schmidt-Lauber herrscht «in der Wahl der Begrifflichkeiten noch immer grosse Verwirrung und Uneinheitlichkeit».482 Das «offene», «halb-» oder «unstrukturierte» Interview sollte ge- mäss der methodologischen Fachliteratur Gesprächscharakter haben – ohne freilich einen wirklich gleichberechtigten Dialog herbeiführen zu können – und in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattfinden, die dem/der Interviewten signalisiert, dass er/sie ernst genommen wird483: «the very essence of unstructured interviewing [... is] the esta- blishment of a human-to-human relation with the respondant and the desire to understand rather than to explain».484 Idealerweise werden verschiedene Forschungsmethoden – Interview, teilnehmende Beo- bachtung etc. – eingesetzt und miteinander kombiniert: «Although 482 Schmidt-Lauber 2001, S. 174. 483 Siehe Schlehe 2003, S. 72 u. 90. 484 Fontana/Frey 1994, S. 366. «The ‹other› is no longer a distant, aseptic, quanti- fied, sterilized, measured, categorized, and cataloged faceless respondant, but has become a living human being» (Fontana/Frey 1994, S. 373). 206 asking, listening, talking, and hearing are important, so are seeing and feeling as means of apprehending the social world.»485 Zu beachten ist, dass die «Wirklichkeit», die das Interview er- schliesst, zunächst nur die Situation des Gesprächs...

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