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Abschieds- und Sterbekultur

Gestaltung der letzten Lebensphase mit und in Organisationen

Edited By Ruth Baumann-Hölzle and Egli Consulting

Abschied nehmen begleitet Menschen Zeit ihres Lebens. Im Pflegeheim ist dieses Thema Teil des Alltags: Abschied nehmen vom vertrauten Zuhause, von körperlichen und geistigen Fähigkeiten, von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten. Das eigene Sterben ist dabei die letzte Phase in diesem Abschiedsprozess.
Die Abschieds- und Sterbekultur befasst sich mit der Gestaltung dieser Prozesse. Sie hat viele Facetten und Aspekte, denn jeder Mensch und jede Situation ist verschieden. Eine Institution kann einem Menschen Abschied, Sterben, Tod und Trauer nicht abnehmen, sie kann diesen existenziellen Dingen aber bewusst Raum geben und eine Kultur entwickeln und leben, die individuelles Abschied nehmen und Sterben erlaubt.
Dieses Buch zeigt auf, welche Möglichkeiten Pflegeheimen dafür zur Verfügung stehen und in welchem kulturellen, sozialen und ethischen Rahmen sich eine Abschieds- und Sterbekultur vollzieht. Dabei werden auch schwierige Themen wie Suizidwünsche von Heimbewohnern, der Umgang mit Patientenverfügungen und Rituale zur Bewältigung von Abschied und Trauer diskutiert. Basis dafür bilden die Erfahrungen, die in einem Projekt zum Thema in der Bethesda Pflege-Residenz in Küsnacht gesammelt worden sind. Reich illustriert vermittelt das Buch die Grundzüge eines humanen Umgangs mit einer existenziellen Herausforderung jedes Menschen.

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Teil 1: Abschied, Sterben und Tod: der gesellschaftliche Kontext 19

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K ap it el ü b er sc h ri ft 19 Teil 1 Abschied, Sterben und Tod: der gesellschaftliche Kontext Te ile ü b er sc h ri ft 20 21 Abschied nehmen und Trauern brauchen Zeit und Raum, Zeit ist Geld Gemäss schweizerischem Obligationenrecht stehen einem Arbeitnehmer, der den Lebenspartner, die Lebenspart- nerin oder eigene Kinder durch Tod verliert, drei freie Tage zu. Bei einem Todesfall in der engeren Fami- lie (Eltern, Geschwister, Schwiegereltern) erlaubt das Gesetz einen freien Tag zum Zeitpunkt der Beerdigung, maximal aber zwei volle Tage inklusive Beerdigung. Und beim Todesfall einer nahe stehenden, aber nicht zur engsten Familie gehörenden Person steht einem nur die Teilnahme an der Beerdigung bzw. maximal ein Tag pro Jahr zu. Danach wird grundsätzlich erwartet, dass der Alltag weitergeht und die Hinterbliebenen «nor- mal» weiter funktionieren. Schwarze Kleidung als Zei- chen der Trauer wird in der Regel nur noch am Tag der Abdankungsfeier getragen. Zeit ist heute Geld. Abschied nehmen und Trauern brauchen jedoch viel Raum und Zeit – eine nicht im Sinne der Leistungsgesellschaft «effizient» und «pro- duktiv» genutzte Zeit. Sterben und Tod eines Menschen lassen die Selbstverständlichkeit und «Normalität» des Alltagslebens jedoch für nahestehende Hinterbliebene vorerst zerbrechen. Alltägliche Abläufe verlieren ihre Bedeutung, ihren Sinn. Raum und Zeit bekommen eine andere Dimension. Nicht allen gelingt es, einfach weiter zu «funktionieren». Statt wie bisher ihren Alltag dyna- misch zu bewältigen, sind sie gezeichnet von Trauer, festgehalten im Schmerz des Verlustes. Statt leistungs- fähig...

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