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Magie und Sprache

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Edited By Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

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James Meja Ikobwa – David Hohl als Zeuge des Genozids in Ruanda in Lukas Bärfuss’ Hundert Tage 107

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David Hohl als Zeuge des Genozids in Ruanda in Lukas Bärfuss’ Hundert Tage James Meja Ikobwa (University of Stellenbosch) Einführung David Hohl, ein 24 jähriger Schweizer verlässt im Jahre 1990 sein Land, um als Entwicklungshelfer nach Ruanda zu gehen. Vier Jahre später wird David Hohl dort Zeuge des letzten großen Völkermordes im 20. Jahrhundert. Zu Beginn des Romans Hundert Tage1 von Lukas Bärfuss, erscheint der Prota- gonist David als ein traumatisierter, gebrochener Mann, wie der Erzähler in der Rahmenerzählung in seiner Begegnung mit ihm gleich im ersten Satz feststellt, denn diesen plagen die Erinnerungen an die schrecklichen Ereig- nisse des Genozids. Seine Erinnerungen, die im Roman nach und nach auf- gerollt werden, setzen sich mit dem wahren Charakter der Schweizer Ent- wicklungsarbeit auseinander, mit der Verwicklung des Westens in den Völkermord, mit Widersprüchen in westlichen Wertvorstellungen und schil- dern schließlich auch den Versuch, die Wurzeln des Genozids zu ergründen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz – von hier aus legt er sein Zeugnis ab – kann David Hohl das Trauma der Zeugenschaft nicht überwinden und ist auch nicht in der Lage, sich wieder in seine ihm ehemals vertraute Gesell- schaft zu integrieren. Im Roman heißt es, er „habe nach einem Flecken gesucht, wo er in Ruhe leben könnte, aber nach ein paar Monaten sei er weitergezogen, von einem möblierten Zimmer in das nächste“ (HT 9). Lützeler2 identifiziert in dem abrupten Abbruch der...

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