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Gründung und Anerkennung

Unternehmertum von Migrantinnen und Migranten

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Raphaela Hettlage

Das Thema Unternehmensgründung durch Zugewanderte fand in der Schweiz bisher wenig Beachtung. Migrantinnen und Migranten wurden vor allem im Rahmen der Gastarbeiterwanderung der Nachkriegszeit und der Asylzuwanderung untersucht, wobei in diesen Gruppen wenig potenzielle Unternehmensgründer und -gründerinnen vermutet wurden. Die vorliegende Arbeit untersucht diese bisher wenig beleuchtete Zugewandertengruppe. Zu diesem Zweck befragte die Autorin italienische, türkische, serbische und srilankesische Männer und Frauen der ersten und zweiten Generation aus verschiedenen Sparten wie Buchhandel, Kiosk, Take-Away, Reisebüro, Kosmetik, Kampfsport und andere mehr. Anhand von Netzwerkvergleichen und biographischen Falldarstellungen wird dargelegt, welche Motive die Zugewanderten – solche mit ausländischem Pass sowie Eingebügerte – haben, um die selbständige Erwerbstätigkeit anzustreben, welche Schwierigkeiten sie auf diesem Weg zu überwinden haben, und welche Hilfe sie wo und von wem einfordern können, um ihre unternehmerischen Ziele zu erreichen.

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Teil - IDas Immigrationsland Schweiz und seine eingewanderten Unternehmerinnen und Unternehmer 33

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33 Teil I Das Immigrationsland Schweiz und seine eingewanderten Unternehmerinnen und Unternehmer Ein Phänomen der Globalisierung besteht im immer breiteren Ange- bot von Produkten. Sudanesische Spezialitäten, italienische Friseur- geschäfte, kurdische Nähateliers, chinesische Restaurants: die öko- nomische und kulturelle Globalisierung hat auf höchst sichtbare Art bei uns Einzug gehalten. Sie geht unübersehbar mit einer Internatio- nalisierung des Stadtbildes einher. Unternehmen, die von Migrantin- nen oder Migranten geführt werden, gehören mittlerweile in den ur- banen Zentren zum gewohnten Bild. Doch die Unternehmen von Eingewanderten sind nicht nur eine pittoreske Ergänzung unserer Städte. Als Forschungsobjekte haben sie auch eine neue Perspektive in die Migrationsforschung gebracht. Bis jetzt wurden Migrantinnen und Migranten hauptsächlich als An- bieterinnen und Anbieter von (billiger) Arbeitskraft untersucht. Durch ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit nehmen Eingewanderte neue Rollen in der Aufnahmegesellschaft ein. Nicht nur schaffen sie ihre eigene Beschäftigungsgrundlage und können so zumindest teilweise die strukturellen Barrieren des Arbeitsmarktes umgehen. Bei erfolg- reicher Geschäftstätigkeit stellen sie ausserdem selbst Arbeitsplätze bereit und tauschen somit ihre traditionelle Rolle als Konjunkturpuf- fer mit derjenigen der Arbeitgebenden – sie vollziehen den Wechsel von der Nachfrage- zur Angebotsseite. Unternehmerische Migrantinnen und Migranten werden gerne als globales Phänomen betrachtet. Ihr Streben nach wirtschaftlicher Selbstständigkeit wird entweder als Reaktion auf schlechtere Mög- lichkeiten zur Aufnahme einer abhängigen Erwerbsarbeit erklärt, z. B. infolge des wirtschaftlichen Strukturwandels (Goldberg und Sen 1997). Oder ihre selbstständige Erwerbstätigkeit wird als Nutzung...

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