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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Jean-Marie Valentin – Die Indienstnahme der Pikareske durch die Gegenreformation. Aegidius Albertinus' Adaptation (1615) des Alemanschen Guzman de Alfarache: Narratio und catechisatio 323

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Die Indienstnahme der Pikareske durch die Gegenreformation. Aegidius Albertinus’ Adaptation (1615) des Alemanschen Guzman de Alfarache: Narratio und catechisatio Jean-Marie Valentin (Paris) I Zur Pikareske in der Literatur Ich möchte die Frage nach der „schöpferischen Rezeption“ einer Roman- form aufwerfen, die in ganz Europa (d. h. Westeuropa: Frankreich, England, Deutschland und minderen Maßes Italien) Gegenstand zahlreicher Überset- zungen und Adaptationen wurde, die alle – direkt oder indirekt – auf spani- sche Originale zurückgehen.1 Man denke in Bezug auf Frankreich an Jean Chapelain (1595–1674), einen der bedeutendsten Theoretiker der sich nach der Gründung der Académie Française (1634) bald durchsetzenden „klassi- schen Doktrin“. Im Vorwort von Le Gueux, ou la vie de Guzman d’Alfa- rache (1619)2 macht Chapelain aus dem pícaro eine archetypische Figur der – man verzeihe mir den Anachronismus – „Weltliteratur“. In seinen Augen war nämlich Guzman ein „Protée“ (Proteus), d. h. das Ergebnis einer Rein- karnation uralter Figuren, deren Wesen vom Prinzip der Metamorphose bedingt werde. Grimmelshausen übernimmt diese Idee und verleiht ihr in der Allegorie des Baldanders eine plastische Gestaltung, wodurch die Kraft der Poesie als solcher zum Ausdruck kommt.3 Auch die Pícara Justina wurde ziemlich früh ins Französische übertragen und symbolisierte (in Frankreich wurde sie als „La narquoise Justine“ bekannt) eine den großen Institutionen der Gesellschaft trotzende Figur. Das sozialkritische Potential war schon hier nicht zu überhören, selbst wenn es sich erst später bei Paul Scarron (1610–1660) und Alain-René Lesage (1668–1747)...

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