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Die Poesie der Zeichensetzung

Studien zur Stilistik der Interpunktion

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Edited By Alexander Nebrig and Carlos Spoerhase

Satzzeichen sind für Literatur konstitutiv, moderne Schriftlichkeit ohne sie undenkbar. Dennoch spielen die Zeichen, die zwischen den Wörtern stehen, in der literaturwissenschaftlichen Praxis nahezu keine Rolle. Von berühmten Beispielen wie Heinrich von Kleists Gedankenstrich in der «Marquise von O...» abgesehen, hat der virtuose Gebrauch von Satzzeichen, der sich bei großen Autoren der deutschen Literatur beobachten lässt, bisher keine angemessene stilistische Aufmerksamkeit gefunden.
Dem vorliegenden Band geht es um eine literatur- und kulturhistorische, aber auch stilistische Rekonstruktion der vielfältigen Formen und Funktionen der Satzzeichenverwendung und -wahrnehmung. Die Beiträge entwerfen eine differentielle Beschreibung der Verwendung von Satzzeichen in Bezugstexten unterschiedlicher literarischer Epochen, Strömungen und Autoren. Ergänzt werden die 16 Originalbeiträge durch drei klassische Studien der Interpunktionsstilistik von Theodor W. Adorno, Hans-Georg Gadamer und Jürgen Stenzel.

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JÖRG TREMPLER Richard Galpin Literarische Satzzeichen auf Leinwand 33

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JÖRG TREMPLER Richard Galpin Literarische Satzzeichen auf Leinwand Das Verhältnis von Text und Bild zu ergründen, ist eines der Hauptfor- schungsgebiete sowohl der Literatur- als auch der Kunstgeschichte. Auf diesem Feld hat sich seit einigen Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass es in eine Sackgasse führt, Schrift und Bild als Gegensatzpaare zu begreifen, sondern es erscheint vielversprechender, Buchstaben selbst in ihrer Schriftbildlichkeit zu erkennen.1 Einen kleinen Teil dieses Gebietes hat sich Richard Galpin mit Arbeiten erobert, die nicht allein mit Schrift- zeichen Kunstwerke erschaffen, sondern sich ausschließlich auf Satzzei- chen beschränken. Aus dieser Gruppe sollen im Folgenden zwei Werke Galpins behandelt werden: Zum einen Punctuation from Samuel Beckett’s „Endgame“ aus dem Jahr 1999 und zum anderen Punctuation from John A. Walker’s „Art Since Pop“ aus dem Jahr 2000. I. Schrift und Bild Um die Werke Galpins besser einschätzen zu können, sei ein sehr kurzer Überblick über die Verbindung von Schrift und Bild gegeben, denn bei- de Phänomene waren von Beginn an eng miteinander verwoben. Beson- ders die frühen Keilschriften oder die ägyptischen Hieroglyphen können ihre Schriftbildlichkeit nicht verleugnen. Dieser Verbindung von den frü- hen Anfängen bis hin zur Gegenwart nachzugehen, ist ein produktives Forschungsfeld. Ebenfalls sehr alt sind Beispiele, in denen Kunstwerke oder Ge- brauchsgegenstände beschriftet wurden. Zu vermuten ist, dass diese Be- schriftungen laut gelesen wurden, damit sich ihr Sinn erzeugte. Dies gilt besonders für Inschriften, die in der ersten Person Singular gehalten sind. Durch...

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