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Exzentrische Moderne: Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

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Edited By Sibylle Schönborn

Die Beiträge dieses Bandes gehen aus der im Dezember 2011 vom «Max-Herrmann-Neiße-Institut» veranstalteten internationalen Tagung hervor. Sie verorten das vielseitige Werk Max Herrmann-Neißes im Kontext der literarischen Moderne, indem sie seine wechselnden Positionen und Engagements zwischen Ästhetizismus, Expressionismus, politischer Literatur, Neuer Sachlichkeit und Exilliteratur in den Blick nehmen. Im Nebeneinander von Nihilismus und Erlösungspathos, Großstadtbewusstsein und Provinzialität, Kosmopolitismus und Regionalismus entwerfen die einzelnen Beiträge das Gesicht einer in sich widersprüchlichen und heterogenen Moderne, deren Repräsentant der aus Schlesien stammende Autor in der Metropole Berlin und im Londoner Exil wurde. Neben gattungsgeschichtlichen Beiträgen zu den lyrischen Anfängen bis zur Exillyrik werden vor allem «kleinere» Gattungen wie der Brief und die Literaturkritik, performative Künste wie das Drama und das Kabarett und ihre Medien (Film) untersucht. Zudem werden Fragen nach Herrmann-Neißes unverwechselbarer Romanpoetik, seinem Beitrag zur theoretischen Auseinandersetzung über eine engagierte Literatur und seiner Beteiligung an den Diskursen über Körperlichkeit, Sexualität und Geschlecht diskutiert.

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„Und lächelt spöttisch Unbefangenheit“ Max Herrmann-Neißes Porträte des Provinz-Theaters Hans Peter Buohler 77

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„Und lächelt spöttisch Unbefangenheit“ Max Herrmann-Neißes Porträte des Provinz-Theaters Hans Peter Buohler Max Herrmann-Neiße zählt – neben Georg Heym, Mynona oder Paul Zech – zu den produktivsten Sonettisten der 1910er-Jahre; die Werkausgabe1 ver- sammelt nicht weniger als 186 Sonette, die zwischen 1906 und 1930 ent- standen – 160 davon im ,expressionistischen Jahrzehnt‘.2 In diesen Jahren galt die Lyrik als maßgebliche Diskursform, um neue ästhetische Methoden zu exponieren. Insbesondere die formalästhetischen Anforderungen des Sonetts reizten die Dichter, Gestaltungsprobleme zu reflektieren und Lö- sungen hierfür ebenso wie thematische Neuerungen zu erproben. Die stete Suche nach neuer Gestalt kann beispielsweise in der erstaunlichen formalen Vielfalt der Sonette Herrmann-Neißes rekonstruiert werden: in den 186 Sonetten verwandte er 73 unterschiedliche Reimschemata – fünfzig davon lediglich ein einziges Mal und nur zehn mehr als dreimal. Doch gilt das Hauptaugenmerk im Folgenden dem 1913 erschienenen Zyklus Porträte des Provinz-Theaters.3 Mit ihm sucht Herrmann-Neiße 1 Max Herrmann-Neiße: Gesammelte Werke. Hrsg. von Klaus Völker. 10 Bde. Frankfurt am Main 1986–1988. 2 Das am 20. Dezember 1936 in der Pariser Tageszeitung gedruckte Sonett Unsere schönsten Lieder (Max Herrmann-Neiße: Unsere schönsten Lieder. In: Ders.: Mir bleibt mein Lied. Gedichte 4. Gesammelte Werk. Hrsg. v. Klaus Völker. Frankfurt am Main 1987, 474) stellt bezeichnenderweise lediglich eine Überar- beitung eines bereits am 18. Juli 1914 entstandenen Gedichts dar, welches auch in der Sammlung Mir bleibt mein Lied enthalten ist – dort mit dem leicht vari- ierten...

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