Show Less

Exzentrische Moderne: Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

Series:

Edited By Sibylle Schönborn

Die Beiträge dieses Bandes gehen aus der im Dezember 2011 vom «Max-Herrmann-Neiße-Institut» veranstalteten internationalen Tagung hervor. Sie verorten das vielseitige Werk Max Herrmann-Neißes im Kontext der literarischen Moderne, indem sie seine wechselnden Positionen und Engagements zwischen Ästhetizismus, Expressionismus, politischer Literatur, Neuer Sachlichkeit und Exilliteratur in den Blick nehmen. Im Nebeneinander von Nihilismus und Erlösungspathos, Großstadtbewusstsein und Provinzialität, Kosmopolitismus und Regionalismus entwerfen die einzelnen Beiträge das Gesicht einer in sich widersprüchlichen und heterogenen Moderne, deren Repräsentant der aus Schlesien stammende Autor in der Metropole Berlin und im Londoner Exil wurde. Neben gattungsgeschichtlichen Beiträgen zu den lyrischen Anfängen bis zur Exillyrik werden vor allem «kleinere» Gattungen wie der Brief und die Literaturkritik, performative Künste wie das Drama und das Kabarett und ihre Medien (Film) untersucht. Zudem werden Fragen nach Herrmann-Neißes unverwechselbarer Romanpoetik, seinem Beitrag zur theoretischen Auseinandersetzung über eine engagierte Literatur und seiner Beteiligung an den Diskursen über Körperlichkeit, Sexualität und Geschlecht diskutiert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Literatur fürs Proletariat Linksradikale Kanonbildung bei Max Herrmann-Neiße Walter Fähnders 127

Extract

Literatur fürs Proletariat Linksradikale Kanonbildung bei Max Herrmann-Neiße Walter Fähnders Literarisch-politische Konstellationen um 1918 Seit dem Novemberumsturz von 1918 gab es in Literatur und Kunst radika- le Brüche, bei denen es um eine fundamentale Neubestimmung der Kunst wie auch der Künstler und Literaturproduzenten ging. Nach den Erfahrun- gen des Ersten Weltkrieges und angesichts der aktuellen revolutionären Ereignisse während der Nachkriegskrise zwischen 1918 und 1923 schienen ästhetische Traditionen und künstlerische Werte auf dem politischen und damit auch ästhetischen Prüfstand zu stehen. Neuansätze wurden sowohl seitens der Kunst und der Künstler, also von der ästhetischen Avantgarde, formuliert als auch seitens der revolutionären Arbeiterbewegung, also der politischen Avantgarde. Beider Berührungen und Austausch verliefen zu dieser Zeit ebenso intensiv wie kontrovers. Avantgardistische Künstler und Schriftsteller aus dem Umfeld von Ex- pressionismus und Dada sahen sich folgendem Dilemma ausgesetzt: Einer- seits schien der Novemberumsturz von 1918 jene Haltung praktisch zu bestätigen, die sie literarisch bereits vor dem Krieg artikuliert hatten. Die revolutionäre Aufbruchsmetaphorik in der Literatur des Vorkriegsexpressi- onismus wurde bekanntermaßen während des Krieges noch forciert und weiterentwickelt in Richtung eines revolutionären Messianismus und eines politischen Führungsanspruchs selbst bei solchen Autoren, die anfangs den Krieg als Destruktionspotential noch bejaht hatten. Der Schriftsteller politi- sierte sich, er definierte seine soziale Funktion nun in Richtung eines gesell- schaftlich-politischen Führungsanspruchs, für den der Neologismus „Proli- terat“ steht, den Ludwig Rubiner 1912 in seinem programmatischen Aufsatz Der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.