Show Less

Exzentrische Moderne: Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

Series:

Edited By Sibylle Schönborn

Die Beiträge dieses Bandes gehen aus der im Dezember 2011 vom «Max-Herrmann-Neiße-Institut» veranstalteten internationalen Tagung hervor. Sie verorten das vielseitige Werk Max Herrmann-Neißes im Kontext der literarischen Moderne, indem sie seine wechselnden Positionen und Engagements zwischen Ästhetizismus, Expressionismus, politischer Literatur, Neuer Sachlichkeit und Exilliteratur in den Blick nehmen. Im Nebeneinander von Nihilismus und Erlösungspathos, Großstadtbewusstsein und Provinzialität, Kosmopolitismus und Regionalismus entwerfen die einzelnen Beiträge das Gesicht einer in sich widersprüchlichen und heterogenen Moderne, deren Repräsentant der aus Schlesien stammende Autor in der Metropole Berlin und im Londoner Exil wurde. Neben gattungsgeschichtlichen Beiträgen zu den lyrischen Anfängen bis zur Exillyrik werden vor allem «kleinere» Gattungen wie der Brief und die Literaturkritik, performative Künste wie das Drama und das Kabarett und ihre Medien (Film) untersucht. Zudem werden Fragen nach Herrmann-Neißes unverwechselbarer Romanpoetik, seinem Beitrag zur theoretischen Auseinandersetzung über eine engagierte Literatur und seiner Beteiligung an den Diskursen über Körperlichkeit, Sexualität und Geschlecht diskutiert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Gehemmte Modernität Zur Auseinandersetzung Gottfried Benns mit den Dichtungen Max Herrmann-Neißes Wojciech Kunicki 193

Extract

Gehemmte Modernität Zur Auseinandersetzung Gottfried Benns1 mit den Dichtungen Max Herrmann-Neißes Wojciech Kunicki Max Herrmann-Neiße äußert sich 1925 mit Hochachtung über die Gedichte Benns, wenn er sie als „die stärkste eigenwüchsige Lyrik, die es aus letzter Zeit bei uns gibt“2, kennzeichnet. Am 11.06.1927 schreibt er ein Gottfried Benn gewidmetes Gedicht Das unfruchtbare Glück3, in dem er an die Poetik Benns anknüpft, nicht allerdings an die ,mythische‘ Seite seiner Dichtun- gen, sondern an den krassen Naturalismus des Morgue-Zyklus. Benn ist für Herrmann-Neiße ein Revolutionär, der „mit allen gewohnten Denkvoraus- setzungen den Kampf aufnimmt und die offizielle Begriffsschematik und logische Bindung zertrümmert.“4 Herrmann-Neiße betont vor allem die Sachlichkeit und die Körperbezogenheit dieser Lyrik: […] alles ist das schroffste Gegenteil von Sentimentalität; das Fleischliche be- steht als das herrische Naturereignis, vor dem der imaginäre Behang aus intel- lektuellem und empfindsamem Getu wie Plunder fällt. Moralisches kommt als Sphäre überhaupt nicht in Betracht. Ein Café etwa ist mit (George Grosz brü- derlichem) Acheronblick gesehen, als [sic!] Stelldichein soundso vieler Leibes- kosmen, das heißt aus Dreck, Blut, Trieb gewachsener Schicksale.5 Die Kontakte zwischen Gottfried Benn und Max Herrmann-Neiße scheinen also konfliktfrei zu verlaufen, auch als Max Herrmann-Neiße Gottfried 1 Abdruck der unveröffentlichten Textstellen Benns mit freundlicher Genehmi- gung von Vilhelm Topsøe, Kopenhagen. 2 Max Herrmann-Neiße: Um uns die Fremde. Gedichte 2. Gesammelte Werke. Hrsg. von Klaus Völker. Frankfurt...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.