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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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7. Situative Realisierungsebene 207

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7. Situative Realisierungsebene In diesem Kapitel möchte ich mich dem interaktiven Aspekt der Gattung Todesanzeige zuwenden, um die Struktur der Kommunikationssituation sowie den interaktiven Mechanismus zwischen ihren Beteiligten näher aufzuzeigen. Es handelt sich hierbei um die situative Realisierungsebene, die neben der bereits in Kap. 5 und und Kap. 6 untersuchten Außen- und Binnenstruktur die kommunikativen Gattungen kennzeichnet. Die von Luckmann indirekt angedeutete Zwischenebene der Gat- tungen wurde von Günthner/Knoblauch als situative Realisierungsebene bezeichnet und soll diejenigen Handlungsmuster umfassen, „die sowohl den interaktiven Kontext des dialogischen Austauschs von Äußerungen zwischen den Interagierenden als auch die situative Relation der Han- delnden im sozialräumlichen Kontext und in längeren kommunikativen Kontexten betreffen.“ (Günthner/Knoblauch 1994: 705) Zwar wurde diese Ebene ursprünglich für die Untersuchung mündlicher Kommunika- tion konzipiert und verwendet, aber wie im Kap. 4 angedeutet, ist bei jedem Verfassen eines Textes ein Prozess vorhanden, bei dem der Text- produzent mit seinen Texten ein bestimmtes Verhältnis zum Textrezipi- enten herzustellen versucht. Das Augenmerk soll nachfolgend insbeson- dere auf solche „interaktive Organisation kommunikativer Handlungen“ (Günthner/Knoblauch 1994: 708) zwischen den Kommunikationsteil- nehmern gerichtet werden. 7.1 Kommunikative Faktoren: Beziehung zwischen Produzent und Rezipient 7.1.1 Kommunikationsrichtung Ein charakteristisches Merkmal der schriftlichen Kommunikation wie der Todesanzeige ist die personelle Abwesenheit der Rezipienten. We- 208 gen der räumlichen Trennung und der zeitlichen Verschiebung können sich die Zeitungsleser nicht direkt an der Kommunikation beteiligen. Das Fehlen der direkten Teilnahme am Kommunikationsvorgang hindert aber nicht, dass die Kommunikation...

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