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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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8. Soziokulturelle Erklärungsangebote 221

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8. Soziokulturelle Erklärungsangebote Bisher habe ich mich hauptsächlich mit der Beschreibungsdimension (Zuordnensebene, siehe Kap. 2.4.2) beschäftigt. In diesem Kapitel wende ich mich der Erklärungsdimension (Einordnensebene, siehe Kap. 2.4.2) zu, um der Frage nachzugehen, warum chinesische und deutsche Todes- anzeigen jeweils unterschiedliche Strukturen, Funktionen und Stile auf- weisen und wie sie in verschiedenen sozialen Milieus zu erklären sind. Der kulturvergleichende Ansatz eignet sich besonders dafür, die Pluralität der Kulturen zu bejahen. Es lässt sich erkennen, „wie kulturelle Denksysteme ihre Vorstellungen von der Sterblichkeit […] in ihre Spra- chen, Religionen, Werte, Rituale und Zeitvorstellungen integrieren […]“ (Barloewen 2000: 31). D.h. Angst, Hoffnungen und religiöse Orientie- rung der Menschen sind interkulturell verschieden und kommen in öf- fentlichen symbolischen Äußerungsformen wie der Sprache der Kunst, oder den religiösen Begräbnisritualen zum Ausdruck. In der großen Viel- falt der westlichen und chinesischen Kultur gibt es Religionen und Phi- losophien, die den Tod bejahen, aber auch andere, die ihn verleugnen und verdrängen. Der Tod wird zuweilen als das Ende der Existenz be- trachtet oder als Übergang zu einem anderen Dasein. Im Folgenden soll die Todesanzeige als Spiegel von Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur in der deutschen und chinesischen Gesellschaft betrachtet werden. Ab- schließend wird mit der Systemtheorie (Luhmann 1988) die Rolle der Todesanzeige als strukturelle Kopplung zwischen verschiedenen sozia- len Systemen erklärt. 8.1 Todesanzeige als Indikator der Todeskultur „Innerhalb von Geschichte und Gegenwart gab und gibt es nun verschie- dene Möglichkeiten, mit dem...

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