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Carl Sternheim: Revolution der Sprache in Drama und Erzählwerk

Beiträge zur Polnisch-Deutschen Carl Sternheim-Tagung (Olsztyn, Dezember 2009)

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Edited By Claus Zittel and Ursula Paintner

Seit langem überfällig sind Neulektüren des Werkes von Carl Sternheim, die sowohl seine klassischen Texte unter veränderten Rezeptionsbedingungen neu erschließen als auch jenseits der ausgetretenen Pfade Werke in den Blick nehmen, die bislang kaum beachtet wurden. Insbesondere seine sträflich vernachlässigte Prosa und die wenigen Urteile, die seitens der Forschung über sie gefällt wurden, bedürfen einer grundlegenden Revision. Diesem Ziel war die im Jahre 2009 im Rahmen einer germanistischen Institutspartnerschaft zwischen der FU Berlin und der UWM Olsztyn in Olsztyn durchgeführte internationale Carl-Sternheim-Konferenz gewidmet. Dieser Band versammelt die Beiträge zu dieser Tagung und versucht jenseits der tradierten Deutungsfolien zu einer ästhetischen Neubewertung des Sternheimschen Gesamtwerks zu gelangen, die sich weniger auf weltanschauliche Kritik, sondern stärker auf Analysen der konkreten literarischen Darstellungsformen stützt. Sternheims Dramen- wie Prosawerk wird vor dem Hintergrund der ästhetischen Debatten seiner Zeit beleuchtet und in seinem avantgardistischen Anspruch ernst genommen. Hinzu kommen Studien zur Rezeptionsgeschichte und dem zeithistorischen Kontext.

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Poetik, Rhetorik, Weltanschauliches 17

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Poetik, Rhetorik, Weltanschauliches Ironie und Satire? Zu Sternheims Rhetorik Wolfgang Neuber Alle deut sche Revolut ion ha t mi t de r Revolut ion ie rung de r deut schen Sprache zu beg innen! Solange wir selbst noch des Bürgers be- trügerisches Idiom sprechen, sind wir es selbst, und keine erreichte politische Macht macht uns ohne eine eigene, wesentliche Sprache dem entthronten Bürger übermächtig.1 Diese Sätze stammen aus Sternheims Essay Das Arbeiter-ABC, zuerst er- schienen in Die Aktion, Berlin 1922, und auch zu finden auf der Homepage der Internationalen Sternheim-Gesellschaft. Wollte man dem ‚Wir‘, das sich „dem entthronten Bürger übermächtig“ machen will, Sternheim zurechnen, so wäre das für einen Mann seiner sozia- len Statur doch überraschend. Carl Sternheim war der Sohn eines jüdischen Bankiers. Nach dem Abitur in Berlin 1897 studierte er in München, Göttingen, Leipzig, Jena, Berlin, Freiburg i. Br. und Heidelberg, unter anderem Philoso- phie (Erkenntnistheorie), Rechts- und Staatswissenschaften und Literatur- und Kunstgeschichte ohne Abschluß. In zweiter Ehe war er ab 1907 mit Thea Sternheim geb. Bauer verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte. Thea, Tochter eines vermögenden Fabrikanten, ermöglichte ihm den Bau des Schlosses Bellemaison bei München. Hier legte er, der anti-bürgerliche Revolutionär, eine bedeutende Kunstsammlung an, der u. a. Werke von van Gogh, Gauguin, Renoir, Matisse, Picasso und Albrecht Altdorfers Kreuzigung angehörten. 1912–1918 und 1930–1942 lebte er in Belgien, dazwischen in der Schweiz. Dies ist nicht...

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