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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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"Une simplicité dégoûtante" Simplicissimus und das Problem des Realismus

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Florian Geizer (Bern) I Im Jahre 1734 verfasste der französische Autor Nicolas Lenglet-Dufresnoy eine Abhandlung De l'usage des romans ('Vom Gebrauch der Romane'), der eine Bibliothèque des romans, ein Überblick über das internationale Roman­ schaffen, beigegeben war.l Die 'Romanbibliothek' verzeichnet Titel aus allen europäischen Ländern - aber auffälligerweise keinen aus Deutschland. Im Vorwort heißt es, dass die deutschen Romane leider noch nicht wettbewerbs­ fähig seien: Ein paar wenige seien gerade noch genießbar, die anderen wälzten sich in unerträglichem Müll, seien stilistisch unannehmbar oder einfach al­ bern.2 All diese negativen Eigenschaften werden auf einen Begriff gebracht, der aufhorchen lässt: simplicité dégoûtante - degoutante Simplizität, abstoßen­ de Einfalt. Einer Erwähnung wert sind Lenglet-Dufresnoy allenfalls höfisch­ historische Klassiker wie Anton Ulrichs Römische Octavia oder Zigler und Kliphausens Asiatische Banise; es folgen einige Titel von Bohse, Hunold und Joachim Meier, den unter den Pseudonymen 'Talander', 'Menantes' und 'Impe­ riali' bekannten galanten Autoren. Die Beurteilung ist recht typisch für das frühe 18. Jahrhundert. Kriterien für einen guten Roman sind für Lenglet-Du­ fresnoy angenehmer Stil, wohlbemessener Aufbau, vorbildliche Personen - die bewährten Kriterien des Klassizismus. Jegliche simplicité, unstilisierte, lebens­ echte Einfalt, gilt dagegen als nicht tragbar. Die Deutschen lieferten sich in dieser Hinsicht zu unvermittelt der Realität aus. Dies zeuge von schlechtem Geschmack, der sie um viele schöne Dinge bringe: "[L]e plaisir essentiel est plus dans l'imagination que dans...

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