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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Wunderbare Reisen zu Wasser, zu Lande und in der Luft Grimmelshausens Simplicissimus und die Tradition des Lügenromans

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Andreas Bässler (Stuttgart) Die Forschung zum Lügenroman ist in der Literaturwissenschaft nicht wirklich beheimatet, sondern ein ungeliebtes Stiefkind, dessen sich die Volkskunde sehr viel mehr, wenn auch nicht übertrieben annimmt. Einen vernünftigen Hand­ buchartikel findet man etwa in der neuen Enzyklopädie des Märchens.1 Die letzte Monographie zum Genre von Müller-Fraureuth datiert auf 1881 und wurde offensichtlich mangels Konkurrenz 1965 neu aufgelegt.2 Wessen sich die Volkskunde dezidiert annimmt, dem mangelt es in den Augen der Litera­ turwissenschaft möglicherweise an der literarischen Dignität. Der Lügenroman nimmt - als fiktive Autobiographie mit satirischer Grund­ tendenz - im 17. Jahrhundert eine Mittlerstellung im Romansystem zwischen Utopie, Robinsonade und Schelmenroman ein. Die Bezeichnung als Lügenro­ man ist zwar jüngeren Datums, vor dem 19. Jahrhundert findet sie sich nicht. Dennoch ist sie nicht gänzlich anachronistisch zur Bezeichnung von Romanen vor dem 19. Jahrhundert als solche; denn die Vorstellung einer übertrieben lügenhaftigen Erzählform findet durchaus in entsprechenden Bezeichnungen wie Lügengeschichten oder Lügenmärlein seinen generischen Niederschlag, ja bereits Lukian, der antike Begründer, führt einen satirischen Dialog unter dem Titel des Philopseudes (Der Lügenfreund), in dem sich die Gesprächsteilneh­ mer mit Lügengeschichten zu überbieten trachten. Da der Lügenroman oftmals nichts anderes darstellt als eine mehr oder weniger lose Reihung solcher Lü­ genmärlein, läßt sich der Terminus rechtfertigen. Der erste faßbare Lügenroman und damit das Vorbild für die neuzeitlichen Nachfolger sind Lukians...

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